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		<title>Kindheit und Geschichte</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jul 2011 14:46:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Psychogenetische Theorie der Geschichte In den 1970er Jahren formulierte der amerikanische Psychologe Lloyd de Mause seine Psychogenetische Theorie, die  zu erklären versucht wie die menschliche Geschichte wirklich funktioniert. Die Theorie beruht auf den Erkenntnissen der Psychoanalyse nach Sigmund Freud. Nach Lloyd de Mause ist nicht der wirtschaftliche und technologische Fortschritt der Motor der menschlichen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=152&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Die Psychogenetische Theorie der Geschichte</strong></p>
<p style="text-align:justify;">In den 1970er Jahren formulierte der amerikanische Psychologe Lloyd de Mause seine Psychogenetische Theorie, die  zu erklären versucht wie die menschliche Geschichte wirklich funktioniert. Die Theorie beruht auf den Erkenntnissen der Psychoanalyse nach Sigmund Freud. Nach Lloyd de Mause ist nicht der wirtschaftliche und technologische Fortschritt der Motor der menschlichen Geschichte, sondern die Evolution der Eltern-Kind-Beziehungen und damit der Wandel der erlebten (und erlittenen) Kindheitserfahrungen. Die Kindheitserfahrungen eines Menschen beeinflussen in hohem Maße seinen Charakter und somit auch seine Handlungsmöglichkeiten und Handlungszwänge, also letztendlich auch das, was an gesellschaftlichem Fortschritt drin ist.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/guestdemauselloyd.jpg"><img title="guestdemauselloyd" src="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/guestdemauselloyd.jpg?w=450&#038;h=600" alt="" width="450" height="600" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Lloyd de Mause (geb. 1931) Quelle: Wikipedia</em></p>
<p style="text-align:justify;">Schon bei intelligenten Tieren bestimmen die Kindheitserfahrungen Charakter und Verhalten. Das konnte der  Verhaltensforscher Darius Maestripieri an der Universität von Chicago in einem besonders eindrucksvollen Experiment beweisen (Dario Maestripieri: &#8222;Early experience affects the intergenerational transmission of infant abuse in rhesus monkeys&#8220;; <a href="http://www.pnas.org/">http://www.pnas.org/</a>). Der Wissenschaftler untersuchte bei Rhesusaffen inwieweit und wieso in manchen Affenfamilien Gewalt herrscht und von Generation zu Generation weitergegeben wird in anderen aber nicht. Rhesusaffen-Mütter in gewalttätigen Familien mißhandeln ihre Kinder während der ersten Lebensmonate. Sie beißen und schlagen sie, zerren sie grob am Schwanz oder an einem Bein und werfen sie durch die Luft, als Bestrafung oder einfach nur so. Maestripieri wollte nun wissen, ob dieses Verhalten in den gewalttätigen Affenfamilien weitervererbt oder in der Kindheit jeweils neu erlernt und so von Generation zu Generation weitergegeben wird. Daraus lassen sich dann Rückschlüsse auf den Menschen ziehen, wo es ja auch Familien mit und ohne Gewalttradition gibt. Um dise Frage zu klären, nahmen sie neugeborene Affenbabys ihren Müttern weg und ließen sie von Adoptivmüttern großziehen. Kinder friedlicher Mütter kamen zu gewalttätigen Adoptivmüttern und Kinder gewalttätiger Mütter zu friedlichen Adoptivmüttern. Deutlich über die Hälfte aller Kinder friedlicher Mütter, die bei gewalttätigen Müttern aufwuchsen, mißhandelten später ihre eigenen Kinder. Eine beachtliche Minderheit tat das aber nicht, trotz der in ihrer Kindheit erfahrenen Mißhandlungen! Von den Kindern gewalttätiger Mütter, die bei friedlichen Adoptivmüttern groß wurden, mißhandelte jedoch kein einziges als erwachsenes Tier seine Kinder! Gewalttätiges Verhalten kann also kaum vererbt sein, sondern wird in der Kindheit erlernt! Warum mißhandelten aber nicht alle Rhesusaffen mit schlechten Kindheitserfahrungen später ihre eigenen Kinder. Übernahmen sie vielleicht nicht einfach nur das Verhalten ihrer Mutter, sondern lernten stattdessen dazu und machten es dann besser? Maestripieri hat bisher keine Antwort auf diese interessante Frage gefunden, eine Frage die sich natürlich auch im Falle der Weitergabe von Gewalt in menschlichen Familien stellt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Eltern und Kinder</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Vielleicht hat Lloyd de Mause mit seiner psychogenetischen Theorie der Geschichte aber die Antwort schon gefunden: Jeder Mensch durchlebt seine Kindheitserfahrungen zweimal, einmal als Kind und dann als Erwachsener mit seinen eigenen Kindern. Dieses zweite Wiedererleben der Kindheit gibt ihm die Möglichkeit, als dann starker Erwachsener seine Ängste und Probleme von damals beim zweiten Mal besser zu bewältigen, sich in seine eigenen Kinder hineinzuversetzen und  dazuzulernen.  Dann behandelt er seine eignen Kinder womöglich besser als er selbst in seiner Kindheit behandelt wurde. Das öffnet die Tür für den persönlichen Wandel und wenn das vielen Erwachsene so gelingt, auch für den gesellschaftlichen Wandel!</p>
<p style="text-align:justify;">Erwachsene können auf drei verschiedene Art und Weisen auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren:</p>
<p style="text-align:justify;"><em>1. Projektive Reaktion:</em> Die in der Kindheit verwehrten Wünsche werden in den Ansprüchen der eigenen Kinder unbewußt wiedererkannt. Wenn die eigenen Eltern diese Wünsche übergangen, oft darauf auch harsch reagiert oder sie sogar bestraft haben, sind die Wünsche der Kindheit mit Angst und Schuldgefühlen besetzt. Als Kind, in einer Situation der Schwäche, werden sie sehr oft ins Unbewußte verdrängt. Im Zusammensein mit den eigenen Kinder werden die verdrängten Ängste  wieder geweckt, und das bereitet erhebliches Unbehagen. Um die Verdrängung aufrecht zu erhalten bzw. wiederherzustellen, verhält sich der Erwachsene gegenüber den eigenen Kindern ebenso, wie er es damals von seinen Eltern erfahren hat. Dabei identifiziert er sich mit deren früher als falsch empfundenen Verhalten und verliert ein ganz erhebliches Stück an persönlicher Ich-Stärke zugunsten eines verinnerlichten Eltern-Ichs. Bei dieser Reaktion geht es letztendlich mehr um den Erwachsenen selbst als um sein Kind. Er überträgt die eigenen verbotenen Kindheitswünsche auf sein Kind und bekämpft sie da im Auftrag seines Eltern-Ichs (Projektion). Die tatsächlichen Bedürfnisse des eigenen Kindes bleiben dabei zwangsläufig auf der Strecke. Gelingt es dem Erwachsenen allerdings doch, sich ein Stück weit in sein Kind einzufühlen, so kann er die eigenen Projektionen zurückdrängen und seinem Kind etwas mehr zugestehen, als es früher seine Eltern ihm gegenüber getan haben.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Projektion wirkt auch über die Eltern-Kind-Beziehungen hinaus bis in die Politik. Wem als Kind von den Eltern nur wenige Ansprüche und Wünsche zugestanden wurden, der wird sich als Erwachsener wahrscheinlich über das &#8222;Anspruchsdenken&#8220; der Armen empören und (beinahe) jede soziale Unterstützung als zu hoch empfinden. In der Bedürftigkeit der Armen erkennt er sich selbst als bedürftiges Kind wieder, und die Projektion wird sofort wirksam. Wie es das verimnnerlichte, strenge Eltern-Ich vorschreibt, werden die Ansprüche der Armen abgelehnt. Aber das ist noch nicht alles: Geht es Menschen, die streng erzogen wurden wirtschaftlich &#8222;zu gut&#8220;, so entwickeln sie Schuldgefühle und beginnen unbewußt den eigenen Erfolg zu sabotieren. Auf gesellschaftlicher Ebene ist ein solches Verhalten womöglich sogar ´der Auslöser von Wirtschaftskrisen. Bei durch ihre Kindheit entsprechend disponierten Personen kann durch vom Unbewußten &#8222;gewollte&#8220; Fehlentscheidungen (Fehlinvestitionen von Unternehmern, Fehlspekulationen an der Börse oder von Seiten der Regierung ein übertriebenes Zurückfahren staatlicher Investitionen) ein wirtschaftlicher  Aufschwung, der zu Wohlstand aber auch Schuldgefühlen führt (Eltern-Ich: &#8222;Es geht mir zu gut, dafür muß ich mich bestrafen!&#8220;) gestoppt und in eine Rezession überführt werden. Diese Rezession, durch die es allen schlechter geht, hilft dabei, die Schuldgefühle wieder  abzubauen. Hinterher &#8222;erlaubt&#8220; das Eltern-Ich wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung und das ganze Spiel kann wieder von vorne losgehen. Lloyd de Mause liefert mit diesem psychischen Mechanismus eine schlüssige Theorie der Konjunkturzyklen in der Wirtschaft.</p>
<p style="text-align:justify;"><em>2. Umkehr-Reaktion:</em> Das Kind dient als Ersatzperson für eine wichtige Person aus der eigenen Kindheit. Der Erwachsene  erwartet von seinem Kind die Liebe und Zuneigung, welche er bei seinen eigenen Eltern früher so schmerzlich vermisst hat. Enttäuscht das eigene Kind diese letztlich unerfüllbaren Erwartungen, so wird es bestraft. Wenn ein Säugling durch sein Schreien der Mutter das Gefühl gibt, nicht geliebt zu werden, so wird er aus Enttäuschung geschlagen. Wieder geht es eigentlich nur um die Bedürfnisse des Erwachsenen und nicht um die Bedürfnisse des eigenen Kindes. Auch die Umkehr-Reaktion kann durch ein Hineinfühlen in das eigene Kind abgebaut werden. Projektion und Umkehr-Reaktion treten oft auch gemeinsam auf. Das Kind erscheint dann einerseits als schlecht, hat aber auch andererseits liebevoll zu sein.</p>
<p style="text-align:justify;"><em>3. Mitfühlende Reaktion (Empathie):</em> Der Erwachsene kann sich in sein Kind einfühlen, seine Bedürnisse verstehen und sie soweit möglich zu erfüllen versuchen. Projektion und Umkehr-Reaktion entfallen. Der Erwachsene unterlässt es sein Kind zu bestrafen, entschuldigt sich wenn er es ungerecht behandelt hat und hilft ihm dabei ein selbstständiger Mensch zu werden. Kurz gesagt, der Erwachsene ist seinen Kindern ein Beschützer und Freund.</p>
<p style="text-align:justify;">Untersuchungen von Lloyd de Mause, aber auch von anderen Wissenschaftlern belegen, daß es eine regelrechte Evolution in der Behandlung der Kinder durch ihre Eltern gegeben hat. Eltern und Kinder sind sich im Laufe der menschlichen Geschichte nach und nach menschlich immer näher gekommen. Die Eltern schafften es, sich immer mehr in die Bedürfnisse ihrer Kinder einzufühlen. Sie kümmerten sich besser um sie und straften sie weniger. Das war ein langer, mühsamer Prozeß, der in verschiedenen Ländern unterschiedlich schnell ablief und bei dem es auch immer wieder Rückschläge gab.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Praktiken der Kindererziehung</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Lloyd de Mause unterscheidet 6 Formen der Kindererziehung, die nacheinander vorherrschend in ihrer jeweiligen Zeit waren. Daneben existierten aber auch immer auch noch ältere, rückständige Formen weiter. Die zeitlichen Angaben beziehen sich auf das westliche Europa, wo die Geschichte der Kindheit bisher am besten untersucht ist.</p>
<p style="text-align:justify;"><em><strong>1. Kindesmord (Vorzeit bis Antike 4. Jahrhundert n.Chr.):</strong></em></p>
<p style="text-align:justify;">In der Antike war der Kindesmord leider eine alltägliche Praxis. Überzählige oder unerwünschte Kinder wurden regelmäßig getötet, indem man sie erschlug, erstickte, ertränkte oder in der Wildnis aussetzte. Bei den überlebenden Kindern, die das mitansehen mußten, hinterließen entsprechende Erlebnisse schwere seelische Verletzungen (Traumata). Um die eigenen, unerträglichen Ängste loszuwerden, identifizierten sich die meisten Kinder der damaligen Zeit mit dem Tun ihrer Eltern. Sie verinnerlichten ein kindesmörderisches Eltern-Ich. Immer dann, wenn die eigenen Kinder mit ihrer Hilflosigkeit die alten verdrängten Kindheitsängste wieder wachrief, trieb es sie als Erwachsene zum Kindesmord. Die Kinder, welche weiterleben durften wurden häufig schlecht behandel und oft geschlagen. Auch der der sexuelle Mißbrauch von Kindern war in der Antike weit verbreitet.</p>
<p style="text-align:justify;">Die einzige rühmliche Ausnahme waren damals die Juden. Bei ihnen galten schon die Kinder als vollwertige Menschen! In ihrem heiligen Buch der Tora, das als die 5. Bücher Mose Eingang in die Bibel fand, war der Kindesmord ausdrücklich verboten. Das war schon etwas ganz Besonderes in einer Zeit, in der Kindesmord ein übliches Mittel der Familienplanung und, gesellschaftlich allgemein akzeptiert war!</p>
<p style="text-align:justify;"><em><strong>2. Weggabe (Beginn 1., vorherrschend 4. &#8211; 13. Jahrhundert): </strong></em>Gegen Ende der Antike wurde unter dem Einfluß des Christentums, das ja direkt aus dem Judentum hervorgangen war, die Praxis des Kindesmordes in der Gesellschaft langsam zurückgedrängt. Nach wie vor waren die Projektionen der Erwachsenen aber sehr stark. Kinder galten von Geburt an als vom Bösen befallen. (Erbsünde). Die Strafen waren dementsprechend sehr hart (Auspeitschen, Stockschläge). Die Ängste, die Kinder bei ihren Eltern wachriefen wurden hauptsächlich durch Weggabe bewältigt. Die Kinder kamen zu Ammen, wurden in Klöster gegeben oder mußten als Diener in fremden Haushalten arbeiten. Gerade die Ammen vernachlässigten die ihnen &#8222;anvertrauten&#8220; Kinder oft so sehr, daß viele an Mangelernährung und Krankheiten infolge schlechter Pflege starben. In solchen Fällen ersetzte also lediglich der mittelbare den unmittelbaren Kindesmord.</p>
<p style="text-align:justify;">Daneben erlebten die Kinder nach wie vor häufig sexuellen Mißbrauch (Umkehr-Reaktion).</p>
<p style="text-align:justify;">Trotz alledem, für die Kinder welche überlebten, war Verlassenwerden und Vernachlässigung immerhin nicht ganz so schlimm, wie mitansehen zu müssen, wenn die eigenen Geschwister oder andere Mitkinder ermordet werden. Es blieb den Kindern die verzweifelte Hoffnung auf elterliche Liebe. Wenn man sie keine Ansprüche stellten, würde ihr armseliges Dasein vielleicht irgendwann doch das Mitleid der Eltern erregen. Später, als Erwachsene, waren sie von Verlassenheitsängsten beherrscht. Die Hoffnung auf Liebe richtete sich nun, stellvertretend für die eigenen Eltern, vor auf  Gott als Vater und auf die Jungfrau Maria als Mutter. Durch eine asketische, selbstbestrafende Lebensweise suchten sie nach Vergebung ihrer Sünden. (&#8222;Erlösung vom Bösen&#8220;). Das Vorbild war Jesus, der gekreuzigte Sohn Gottes, der mit seinem Leiden die Menschheit erlöst hatte. Das weltliche Gegenstück zu Gott waren Könige, Fürsten und Bischöfe, bei denen man Halt und Schutz suchte. Daraus bezog das Gesellschaftssystem des Feudalismus seine Stabilität.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/kindheitsbilder-1-lloyd-de-mause.png"><img title="Kindheitsbilder 1 Lloyd de Mause" src="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/kindheitsbilder-1-lloyd-de-mause.png?w=594&#038;h=355" alt="" width="594" height="355" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Kindheit in vergangenen Zeiten Quelle: Lloyd de Mause (<a href="http://www.psychohistory.com/">http://www.psychohistory.com/)</a></em></p>
<p style="text-align:justify;"><em><strong>3. Ambivalenz (Zwiespältigkeit; Beginn 12., vorherrschend 13.-17. Jahrhundert): </strong></em>Im späten Mittelalter entwickelten die Eltern mehr Gefühle für ihre Kinder. Aber ihre sehr starken Projektionen brachten sie dazu, gleichzeitig immer noch das vermeintlich Böse im Kinde zu bekämpfen. Durch das Wickeln machte man die Kinder nach der Geburt über viele Monate nahezu bewegungsunfähig, da man befürchtete, sie würden sich ansonsten selbst verletzten. Nach dem Wickeln bekamen die Kinder dann Gängelbänder, Geradehalter und Korsetts oder wurden irgendwo festgebunden, um sie so unter Kontrolle zu halten. Durch Einläufe versuchte man das Böse und Unreine aus den Kindern herauszubekommen. Andererseits machte man sich Eltern aber erstmals auch Gedanken über die geistige und moralische Erziehung der Kinder. Die Hauptverantwortung dafür sahen sie nun bei sich selbst, daneben aber auch bei  den Schulen. Die ersten Erziehungsratgeber wurden geschrieben. Verprügelt wurde aber nach wie vor.</p>
<p style="text-align:justify;">Als Folge ihrer Kindheit wiesen die Erwachsenen zumeist eine gespaltene Persönlichkeit auf. Sie waren emotional instabil und unterlágen plötzlichen Stimmungsschwankungen.Doch die etwas bessere Behandlung ließ auch mehr wirtschaftlichen Wohlstand zu, da die Schuldgefühle wegen &#8222;des einem zu gut gehens&#8220; nicht mehr ganz so schnell einsetzten.</p>
<p style="text-align:justify;"><em><strong>4. Intrusion (Aufdringlichkeit; Beginn 16., vorherrschend 17.-19. Jahrhundert): </strong></em>Am Beginn der Neuzeit kam es zu einem tiefgreifenden Wandel bei der Behandlung der Kinder. Die Projektionen nahmen ab, so daß sich die Eltern mehr auf ihre Kinder einlassen konnten: Die Weggabe kam langsam außer Mode. Stattdessen kümmerten sich vor allem die Mütter immer häufiger selbst um ihre Kinder. Diese wurden jetzt nicht nur ausreichend ernährt, sondern  vielfach auch nicht mehr gewickelt. Zusammen mit der in der Medizin neu aufkommenden Kinderheilkunde und einer verbesserten Hygiene führte das zu einem deutlichen Rückgang der Kindersterblichkeit. Mit Drohungen, Schuldgefühlen und Strafen versuchten die Eltern den Willen ihrer Kinder zu kontrollieren und sie zu absolutem Gehorsam zu erziehen. Als wichtig galten die Kontrolle der kindlichen Sexualität (Unterbindung kindlicher Masturbation, Trennung von Mädchen und Jungen in den Schulen) und die Reinlichkeitserziehung (Kontrolle der kindlichen Ausscheidungen, aber keine Einläufe mehr). Bei der Bestrafung nicht folgsamer Kinder wurde seltener und weniger brutal geschlagen, aber dafür wurden die Kinder stunden- , manchmal sogar tagelange in dunklen Räumen bei Wasser und Brot eingesperrt oder man schüchterte sie mit furchterregenden Fantasiegestalten (&#8222;der schwarze Mann&#8220;) ein.</p>
<p style="text-align:justify;">Die insgesamt deutlich verbesserte Behandlung in der Kindheit hinterließ bei den Erwachsenen weniger seeliche Wunden. Sie waren nun eher in der Lage sich ihren Ängsten &#8222;nicht geliebt zu werden&#8220; zu stellen, anstatt ihnen wie vorher, durch unterwürfiges, selbstbestrafendes Verhalten immer nur auszuweichen. Das brachte einen Zugewinn an Selbstbewußtsein aber auch eine große Traurigkeit. Daher litten die Kinder der damaligen Zeit als Erwachsene oft unter Depressionen. Das größere Selbstbewußsein machte die großen Fortschritte der Renaissance hin zu mehr Freiheit möglich: Die Macht der Könige, des Adels und der Kirche wurden in Frage gestellt, Kunst und Wissenschaften lösten sich von den Fesseln der Religion, die Wirtschaft erlebte einen Aufschwung (weniger Schuldgefühle bei mehr Wohlstand!) und es brach die Zeit der großen Entdeckungsreisen an. Ein interessantes Anschauungsbeispiel für den Übergang vom ambivalenten in den intrusiven Erziehungsstil bietet die Geschichte der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Es begann mit einer Auswanderungswelle von England nach Nordamerika. Es begann mit der Gründung der nordamerikanischen Kolonien Englands im 17. Jahrhundert. Unter den Auswanderern, hauptsächlich mittelständische Puritanerfamilien, waren viele innovative Eltern, die bereit waren neue, menschlichere Formen der Kindererziehung zu versuchen. Im Gegensatz zu den meisten Eltern in England praktizierten  sie bereits die intrusive Erziehungsform. In ihrer neuen Heimat Nordamerika fehlte der gesellschaftliche Druck, die traditionellen und rückständigeren Erziehungsmethoden beizubehalten. So wurde in der neuen Gesellschaft ein großer Sprung nach vorne möglich, weg von der ambivalenten, hin zu der intrusiven Erziehungsform. Schon wenige Generationen später, am Ende des 17. Jahrhunderts waren die Unterschiede sehr deutlich:  Im Gegensatz zu England und dem übrigen Europa kam in den nordamerikanischen Kolonien  Kindesmord kaum mehr vor. Das ist ablesbar an dem damals schon nahezu ausgeglichenen Verhältnis von Jungen und Mädchen, denn in Ländern, wo der Kindesmord praktiziert wurde, galten vor allem Mädchen als unerwünschte Kinder, so daß unter den Kindern stets die Jungen überwogen. Findelhäuser, in England und auch im übrigen Europa noch weit verbreitet, waren unnötig geworden, denn die Weggabe von Kindern gab es praktisch nicht mehr. Ebenso war es mit der Praxis des Wickelns. Sogar das Schlagen von Kindern durch die Eltern und in der Schule wurde schon prinzipiell in Frage gestellt. Besucher aus Europa beklagten sich über die &#8222;verderbten&#8220;und  &#8222;verwöhnten&#8220; Kinder in Nordamerika, den &#8222;kleinen Haustyrannen&#8220; ihrer Eltern.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/12616855754082979038gen5n-hi.png"><img title="12616855754082979038gen5n-hi" src="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/12616855754082979038gen5n-hi.png?w=594&#038;h=472" alt="" width="594" height="472" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>England führt seine nordamerikanischen Kolonien am Gängelband (1777). Auf diese Weise wurden damals widerspenstige Kinder diszipliniert. Es handelt sich um eine sogenannte Gruppenfantasie, bei der Kindheitserfahrungen in der Politik wiederaufgeführt werden (s.u.). Quelle: Lloyd de Mause (<a href="http://www.lloyddemause.com/">http://www.lloyddemause.com/)</a></em></p>
<p style="text-align:justify;">Am Ende des 18. Jahrhunderts (1783) erkämpften die nordamerikanischen Kolonien die Unabhängigkeit von England und gründeten die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Der in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 proklamierte neue Staat war im Gegensatz zum monarchistisch-feudalen &#8222;Mutterland&#8220; England eine Republik freier und gleicher Bürger!</p>
<p style="text-align:justify;"><em><strong>5. Sozialisation (Anpassung; Beginn 18., vorherrschend 19. &#8211; 21. Jahrhundert): </strong></em>Diese Erziehungsform ist auch heute noch die häufigste. Durch einen starken Rückgang der Projektionen ist sehr viel Zuneigung zwischen Erwachsenen und Kindern möglich. Auch die Väter kümmern sich jetzt mehr um ihre Kinder. Bisher hatten immer die Mütter die Hauptrolle bei der Kindererziehung gespielt. Nicht mehr  der Gehorsam steht im Vordergrund, sondern die Anpassung des Kindes an die Gesellschaft und ihre Normen. Die Kinder sollen eine gute Ausbildung bekommen und ordentliche Umgangsformen erlernen, um später als Erwachsene erfolgreich zu sein. Körperliche Strafen sind obsolet. Die Eltern ermahnen ihre Kinder stattdessen nur noch (&#8222;Das tut man nicht!&#8220;) und setzen sie wenn &#8222;nötig&#8220; seelich unter Druck, oft durch die Erzeugung von Schuldgefühlen. &#8222;Erfolg&#8220; und &#8222;richtiges Verhalten&#8220; werden mit elterlicher Zuwendung belohnt, &#8222;Versagen&#8220; oder &#8222;Fehlverhalten&#8220; mit &#8222;Liebesentzug&#8220; oder dem Entzug von &#8222;Privilegien&#8220;  (keine Süßigkeiten mehr, Fernsehverbot, &#8222;Hausarrest&#8220;) bestraft. Beide Elternteile spielen jetzt aber auch regelmäßig mit ihren Kindern, was in früheren Zeiten nur selten vorkam. Die relativ gute Behandlung in der Kindheit bringt relativ selbstbewußte Erwachsene hervor, mit weniger Schuldgefühlen wenn es ihnen gut geht. Das ermöglicht einen nie gekannten Wirtschaftsaufschwung in den Ländern, wo diese Erziehungsform vorherrschend ist. Berufliches Fortkommen und Erfolg sind für das Selbstwertgefühl entscheidend. Andererseits prägen aber häufig auch Versagenängste die Persönlichkeit, denn in der Kindheit hat man gelernt: Liebe muß man sich verdienen.</p>
<p style="text-align:justify;"><em><strong>6. Unterstützung (Beginn Mitte 20. Jahrhundert, immer noch die Ausnahme): </strong></em>Keine Projektionen und Umkehrreaktionen mehr. Die Erwachsene bemühen sich um ein echtes Verständnis der Kinder. Diese wissen (von seltenen Ausnahmen abgesehen) besser als die Erwachsenen was gut für sie ist und was nicht. Keine Strafen und möglichst auch keine Disziplinarmaßnahmen mehr, sondern versuchen zu überzeugen. Die Erwachsenen helfen den Kindern ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu selbstständigen und freien Menschen zu werden. Statt ihre Kinder zu bevormunden, sind die Eltern Beschützer und Freunde. Demokratische Schule nach dem Prinzip Summerhill. Ergebnis dieser freien Erziehung sind willensstarke, freundliche Erwachsene.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Psychoklassen und Gruppenfantasien </strong></p>
<p style="text-align:justify;">Da es neben den fortschrittlichen, aber immer auch noch ältere, rückständigere Formen des Umgangs mit Kindern gab, teilte  sich menschliche Gesellschaften zu allen Zeiten und überall in sogenannte Psychoklassen. Diese sind nicht unbedingt identisch mit den ökonomischen Klassen. Die Angehörigen einer Psychoklasse teilen gemeinsame Gruppenfantasien, die sich aus ihren gemeinsamen Kindheitserfahrungen speisen und der Bewältigung der diesen entspringenden Ängste dient. Das geschieht durch Wiederaufführung dieser angstbesetzten Kindheitserfahrungen auf der politisch &#8211; gesellschaftlichen Ebene.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/image-evolution_of_psychogenic_modes.png"><img title="Image-Evolution_of_psychogenic_modes" src="http://geistdergesetze.files.wordpress.com/2011/07/image-evolution_of_psychogenic_modes.png?w=525&#038;h=235" alt="" width="525" height="235" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Die Evolution der 6 verschiedenen Erziehungsformen in Westeuropa und Nordamerika (1. Infanticidal = kindesmörderisch, 2. Abandoning = weggebend, 3. Ambivalent = zwiespältig, 4. Intrusive = aufdringlich, 5. Socializing = anpassend, 6. Helping = unterstützend). Der Umgang mit Kindern wurde mit der Zeit immer menschlicher! Mindestens seit der Spätantike existieren verschiedene Erziehungsformen nebeneinander und führen zur Herausbildung von sogenannten Psychoklassen. Quelle:  Lloyd de Mause (<a href="http://www.lloyddemause.com/">http://www.lloyddemause.com/)</a></em></p>
<p style="text-align:justify;">Lloyd de Mause hat eine Methode gefunden, um solche Gruppenfantasien zu erkennen. In der sogenannten Fantasieanalyse werden Presseartikel, politische Ansprachen und Äußerungen, Radio- und Fernsehinterviews u.a.m. auf bestimmte Redewendungen hin durchsucht und diese aufgezeichnet. Dabei geht es um emotional gefärbte Worte und Satzteile, um Methaphern (Bildsprache), Familienbegriffe (Mutter, Vater, Kind, Baby) und verneinende Ausdrücke (die Verneinung wird weggelassen). Fügt man alles in der Reihenfolge wie es gefallen ist zusammen, so ergibt sich ein verborgener  Zusammenhang, ein unbewußter Gehalt. Dabei handelt es sich um die jeweils vorherrschenden Gruppenfantasien, weil man davon ausgehen kann, daß Politiker, Presse, Rundfunk- und Fernsehen die wechselnden Stimmungen in der Bevölkerung erspüren und aufgreifen.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein praktisches Beispiel, wie man Gruppenfantasien erkennt sei hier anhand der Debatte um die Integration der Zuwanderer in Deutschland kurz vorgeführt:</p>
<p style="text-align:justify;">Am 18. Oktober 2010 erschien in der Bildzeitung der folgende Artikel, in dem es vor allem um moslemische Zuwanderer geht:</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Integration Union will Integrations-Verweigerer hart bestrafen</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Das Thema Zuwanderung spaltet die Nation, die Politiker im Bundestag streiten über den richtigen Umgang mit Ausländern!</p>
<p style="text-align:justify;">Eine klare Position bezieht die Union: Sie will Integrations-Verweigerer künftig hart bestrafen und deshalb die Gesetze verschärfen. Damit sollen Migranten zur Eingliederung in die Gesellschaft gezwungen werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Einem Zeitungsbericht zufolge will die Koalition noch in diesem Monat ein Gesetzespaket auf den Weg bringen, mit dem ein härteres Durchgreifen gegen Integrationsverweigerer ermöglicht werden soll.</p>
<p style="text-align:justify;">„Wir werden die Träger von Integrationskursen gesetzlich verpflichten, den Sozial- und Ausländerbehörden sofort zu melden, wenn Migranten trotz Teilnahmepflicht Kursen fernbleiben“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.</p>
<p style="text-align:justify;">DATENAUSTAUSCH VERBESSERN</p>
<p style="text-align:justify;">Auch ein „lückenloser Datenaustausch zwischen Arbeitsagenturen und Ausländerbehörden“ sei geplant.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der Zeitung, das „strengere Durchgreifen gegen Integrationsverweigerung“ sei Teil eines Gesetzespakets, das „noch im Oktober auf den Weg gebracht“ werden solle.</p>
<p style="text-align:justify;">Uhl kündigte an, die CSU werde beim Thema Integration keinen Millimeter zurückweichen. „Wer die deutsche Leitkultur nicht respektiert, der sollte das Land besser verlassen“.</p>
<p style="text-align:justify;">Das sei die absolute Mehrheitsmeinung auch in der Union, betonte er. „Ein Staat, der nur fördert und fordert, ohne Pflichtverstöße zu sanktionieren, der macht sich lächerlich.“ (Quelle: <a href="http://www.bild.de/politik/2010/politik/verweigerer-hart-bestrafen-14340282.bild.html">http://www.bild.de/</a>)</p>
<p style="text-align:justify;">Die Schlüsselworte und &#8211; redewendungen sind rot markiert.</p>
<p style="text-align:justify;">Den moslemischen Zuwanderern wird vorgeworfen (Mehrheitsmeinung), sich nicht richtig zu integrieren, sich also nicht in die deutsche Gesellschaft einzugliedern und das obwohl man sich doch so um sie kümmert (&#8222;fördern und fordern&#8220;). Damit soll jetzt endlich Schluß sein (Ein Staat, der nur fördert und fordert, ohne Pflichtverstöße zu sanktionieren, der macht sich lächerlich). Wer sich nicht anpasst, der soll in Zukunft hart bestraft werden, wenn nötig auch mit &#8222;Liebesentzug&#8220; (Wer die deutsche Leitkultur nicht respektiert, der sollte das Land besser verlassen). Die emotionalen Schlüsselwörter passen auch sehr gut als Leitmotiv der in Deutschland (und in vielen europäischen Nachbarländern) zurzeit vorherrschenden Kindererziehungsform der Sozialisation (s.0). Das ist kein Zufall, denn die &#8222;Probleme&#8220; mit den Zuwanderern rufen die Ängste und Probleme aus der Kindheit wach, welche mit der von dieser Erziehungsform geforderten Anpassung verbunden waren (Projektion). Die moslemischen Einwanderer werden wegen ihrer fremden Religion, wegen ihrer zum Teil abweichenden Sitten und Gebräuche und wegen manchmal mangelhaften deutschen Sprachkenntnissen als unangepaßt (und damit ungehorsam) wahrgenommen, genauso wie man es als Kind gerne auch manchmal sein wollte, aber nicht sein durfte. Diese Wahrnehmung der Zuwanderer bringt das verinnerlichte Eltern-Ich auf den Plan, dessen Botschaft der Artikel der Bildzeitung klar und eindeutig ausspricht: Die &#8222;sich verweigernden&#8220; moslemischen Zuwanderer sollen mit Strafen zur Anpassung gezwungen werden, so wie man selbst ja auch in seiner Kindheit dazu gezwungen wurde.</p>
<p style="text-align:justify;">Der doch eigentlich naheliegende Gedanke, daß es vielleicht für das Zusammenleben von Deutschen und Zuwanderern (Neudeutschen) besser wäre, ganz freiwillig und ohne Zwang, einfach menschlich aufeinander zuzugehen, diesen Gedanken, den lässt die Gruppenfantasie des &#8222;Angepasst sein Müssens&#8220; erst gar nicht aufkommen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die politischen Strömungen und Parteien haben danach ihren Ursprung vor allem in den Psychoklassen. Je freundlicher der Umgang der Erwachsenen mit ihren Kindern, je angenehmer (oder weniger unangenehm) die Kindheit, umso liberaler und aufgeschlossener für gesellschaftlichen Fortschritt sind die Betroffenen. Die politischen Konfliktlinien verlaufen mehr entlang der Grenzen der Psychoklassen als der ökonomischen Klassen. Liberale und reaktionäre Perioden wechseln entsprechend der jeweiligen Kräfteverhältnisse einander ab.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Weiterentwicklung der Erziehungsstile und das Aufeinandertreffen verschiedener Psychoklassen, beides zusammen erzeugt die gesellschaftliche und politische Dynamik, die wir als Geschichte kennen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Quellen: Lloyd de Mause: 1) Hört ihr die Kinder weinen: Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit, Suhrkamp 1980 2) Was ist Psychohistorie?- Eine Grundlegung Psychosozial 2000 3)  Das emotionale Leben der Nationen, Drava 2005</p>
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	</item>
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		<title>Insekten-Intelligenz im Stecknadelkopf</title>
		<link>http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2009/11/23/insekten-intelligenz-im-stecknadelkopf/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 21:56:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Kleines Gehirn ganz groß Das Gehirn der Insekten ist kaum so groß wie ein Stecknadelkopf und doch verfügen sie teilweise über beachtliche geistige Fähigkeiten, die sich mit denen großer Säugetiere messen können. Diese erstaunliche Tatsache wurde durch Beobachtungen und Experimente immer wieder bestätigt. Das bekannteste Beispiel sind die Honigbienen: Sie lernen durch immer ausgedehntere Orientierungsflüge [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=140&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Kleines Gehirn ganz groß</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Das Gehirn der Insekten ist kaum so groß wie ein Stecknadelkopf und doch verfügen sie teilweise über beachtliche geistige Fähigkeiten, die sich mit denen großer Säugetiere messen können. Diese erstaunliche Tatsache wurde durch Beobachtungen und Experimente immer wieder bestätigt. Das bekannteste Beispiel sind die Honigbienen: Sie lernen durch immer ausgedehntere Orientierungsflüge ihre jeweilige Umgebung kennen, wobei sie sich besondere Landschaftsmerkmale und ihre räumliche Lage im Verhältnis zu ihrem Bienenstock, aber auch Düfte (der Blüten) einprägen und alles zu einer dreidimensionalen Karte zusammensetzen. Honigbienen können auch zählen, geometrische Formen auseinanderhalten, Objekte nach ihren Eigenschaften kategorisieren und symmetrische von assymmetrischen Formen unterscheiden.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/11/bee_on_topped_lavendar.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-147" title="Bee_on_topped_lavendar" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/11/bee_on_topped_lavendar.jpg?w=604&#038;h=905" alt="" width="604" height="905" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Honigbiene auf Lavendelblüte. Quelle: Wikipedia</em></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Die Sprache der Bienen</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Berühmt sind auch ihre kommunikativen Fähigkeiten. Mit Hilfe des Rundtanzes und des Schwänzeltanzes können sie untereinander die genaue Lage, Qualität und Ergiebigkeit von Nahrungsquellen mitteilen. Der einfachere Rundtanz kommt zum Einsatz, wenn sich die Nahrung in der näheren Umgebung (Umkreis 50-100m)unmittelbarer Nähe des Bienenstocks befindet. Dabei läuft die Kundschafterbiene auf der senkrecht stehenden Bienenwabe im Kreis umher, stupst andere Bienen an und verteilt Duftproben des Nektars. Die Dauer des Tanzes ist ein Maß für die Nektarmenge.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei weiter entfernten Nahrungsquellen vollführt sie den komplizierteren Schwänzeltanz. Dabei beschreibet sie mit ihrer Bewegung immer wieder eine &#8222;8&#8243;. Der Winkel zwischen der Querachse dieser &#8222;8&#8243; und der räumlichen Senkrechten entspricht dem Winkel zwischen der Richtung zur Nahrungsquelle und der Richtung wo die Sonne steht. Die Geschwindigkeit mit der die Kundschafterbiene sich bewegt und die Heftigkeit mit der sie dabei schwänzelt, also ihr Hinterteil abwechselnd nach links und rechts bewegt, informiert die anderen Bienen über die zurückzulegende Strecke. Je langsamer die Bewegung, umso größer ist die Entfernung zur Nahrungsquelle. Bis zu einer Entfernung von 10km funktioniert der Schwänzeltanz! Wie bei dem Rundtanz verteilt die Kundschafterbiene Nektarproben unter den anderen Bienen.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/11/bienenkommunikation.png"><img class="alignnone size-full wp-image-143" title="Bienenkommunikation" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/11/bienenkommunikation.png?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Rundtanz und Schwänzeltanz. Quelle: </em><a href="http://www.cals.ncsu.edu/entomology/"><em>http://www.cals.ncsu.edu/entomology/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Wird ein Bienenvolk so groß, daß der Platz im Stock nicht mehr ausreicht, so wandert ungefähr die Hälfte aus. Ein Bienenschwarm sucht einen Nistplatz und setzt Spurbienen als Kundschafter ein. Diese informieren den Schwarm mit einem Schwänzeltanz über ihre jeweiligen &#8222;Vorschläge&#8220; für einen neuen geeigneten Nistplatz. Es kann dabei zu längerwierigen &#8222;Diskussionen&#8220; kommen, in deren Verlauf die Spurbienen ihre &#8222;Vorschläge&#8220; gegenseitig inspizieren und lassen sich auch &#8222;überzeugen&#8220;, wenn die Qualität stimmt. Auf diese Weise bildet sich schließlich eine Mehrheit für einen &#8222;Vorschlag&#8220;.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Bienensprache ist in ihren Grundzügen angeboren, jedoch spielen auch Lernvorgänge eine wichtige Rolle. Das zeigen Versuche der BEEgroup (<a href="http://www.bienenforschung.biozentrum.uni-wuerzburg.de/die_beegroup/">http://www.bienenforschung.biozentrum.uni-wuerzburg.de/die_beegroup/</a>) an der Universität Würzburg. Den Wissenschaftlern gelang es europäische und asiatische Bienen zu einem Bienenvolk zu vereinigen, ein unerwarteter Erfolg, da sich einander fremde Bienen normalerweise gegenseitig töten, wenn man sie ohne Ausweichmöglichkeit zusammenbringt. Nach einigen Stunden klappte die Verständigung, obwohl beide Bienenarten ihren Schwänzeltanz nach einem unterschiedlichen angeborenen  Dialekt tanzen. Die asiatischen Bienen lernten es tatsächlich, die europäischen Bienen zu verstehen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Was Insekten noch so alles können</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Auch andere Insekten sind zu beachtlichen geistigen Leistungen in der Lage. Die wie die Bienen in Staaten lebenden Ameisen und Termiten legen  architektonisch beeindruckende Nester an und züchten Pilze. Viele Ameisen halten sich sogar Blattläuse als Nutztiere, um sie zu melken und gelegentlich auch zu verspeisen.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/11/melkende_ameisen_honigtau4.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-146" title="Melkende_ameisen_honigtau4" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/11/melkende_ameisen_honigtau4.jpg?w=604&#038;h=604" alt="" width="604" height="604" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Ameise beim Melken von Blattläusen. Quelle: Wikipedia</em></p>
<p style="text-align:justify;">Bestimmte südamerikanischen Ameisen (Pachycondyla villosa und Pachycondyla inversa) pflegen sogar individuelle Bekanntschaften(<a href="http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/279717.html">http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/279717.html</a>). Nachgewiesen wurde diese Fähigkeit (bisher) bei den Königinnen, von denen es hier gleich mehrere pro Volk gibt und nicht nur eine wie normalerweise üblich . Zwischen diesen Königinnen wird eine klare Hierarchie &#8222;ausgehandelt&#8220;, die dann lebenslang bestehen bleibt. Das setzt natürlich ein persönliches Erkennen voraus. Andere staatenbildende Insekten erkennen, soweit bisher bekannt, hingegen lediglich, ob ihr Gegenüber zum gleichen Volk gehört oder nicht. Bei einer anderen Ameisenart (Temnothorax albipennis) wurden richtiggehende Lehrer &#8211; Schüler Beziehungen nachgewiesen (<a href="http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/260827.html">http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/260827.html</a>). Erfahrene Kundschafterameisen lehren unerfahrenen Schülerinnen die Orientierung in der Umgebung des Ameisennestes. Dabei passen sie ihre Laufgeschwindigkeit  an die begrenzten Möglichkeiten ihrer jeweiligen Schülerin an, die ihrerseits sich aber ebenfalls bemüht sich an das Lauftempo der Lehrerin anzupassen. Später werden die Schülerinnen dann selbst zu Lehrerinnen. Erlerntes wird so über Generationen weitergegeben.</p>
<p style="text-align:justify;">Wie diese Beispiele zeigen ist die Intelligenz keinesfalls an eine gewisse Gehirn(mindest)größe gebunden.</p>
<p style="text-align:justify;">Innerhalb des Tierreiches sind die Unterschiede in der Gehirngröße gewaltig. So wiegt das Gehirn eines Wales bis zu 9kg und besteht aus über 200 Milliarden Nervenzellen (Neuronen). Beim Menschen sind es 1,25 bis 1,45 kg und rund 85 Milliarden. Das Gehirn der Honigbiene jedoch, wiegt nur 1mg und enthält nicht einmal 1 Million Neuronen. Oftmals geht aber ein großer Teil der Gehirnmasse auf das Konto besonders spezialisierter und ausdifferenzierter Sinnesorgane und hat nichts mit höheren geistigen Fähigkeiten zu tun. Das gilt z.B. für die aber trotzdem hochintelligenten Wale und Delphine mit ihrer ausgefeilten Ultraschallortung. Das größere Gehirn ermöglicht einfach eine höhere Empfindlichkeit, Auflösung und Genauigkeit in der Wahrnehmung.</p>
<p style="text-align:justify;">Ähnliches gilt auch für besonders komplexe Bewegungsabläufe, die auch entsprechend mehr Gehirn benötigen, um die entsprechend zahlreicheren ausführenden Muskeln zu steuern. Mehr Gehirnmasse bedeutet hier nicht eine höhere Komplexität, sondern lediglich eine Multiplikation gleich oder ähnlich gebauter neuraler Schaltkreise.</p>
<p style="text-align:justify;">Das heißt aber umgekehrt auch, daß relativ komplexe Denkvorgänge auch schon mit relativ wenigen Neuronen bewältigt werden können. Sogar so etwas wie Bewußtsein, könnte dabei selbst in den winzigen Insektengehirnen  zustande kommen, zeigen aktuelle Computersimulationen neuraler Schaltkreise mit einigen Tausend Nervenzellen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong> Jens Christian Heuer</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Quellen: Queen Mary University of London, <a href="http://www.qmul.ac.uk/media/news/items/se/20931.html">http://www.qmul.ac.uk/media/news/items/se/20931.html</a>), Bild der Wissenschaft online (siehe Text), Wikipedia</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Verdrängung und Gehirnforschung</title>
		<link>http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2009/04/17/verdrangung-und-gehirnforschung/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2009 23:37:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Psychoanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Neurophysiologie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Der innerpsychische Vorgang der Verdrängung ist die entscheidende Voraussetzung des Unbewussten und damit auch der Psychoanalyse, die der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London)begründete. Neue Forschungen beweisen nun eindeutig, dass die Verdrängung tatsächlich existiert. Seit es die Psychoanalyse gibt, werden von ihren Gegnern ihre zentralen Konzepte in [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=135&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Der innerpsychische Vorgang der Verdrängung ist die entscheidende Voraussetzung des Unbewussten und damit auch der Psychoanalyse, die der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London)begründete. Neue Forschungen beweisen nun eindeutig, dass die Verdrängung tatsächlich existiert.</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Seit es die Psychoanalyse gibt, werden von ihren Gegnern ihre zentralen Konzepte in Frage gestellt. Das gilt auch für die Verdrängung, deren Existenz trotz aller Belege aus den freien Assoziationen analysierter Personen, immer wieder abgestritten wird. Da es ohne Verdrängung auch kein Unbewusstes im psychoanalytischen Sinne gibt, steht und fällt der Wahrheitsgehalt der Psychoanalyse mit dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer innerpsychischen Verdrängung.</p>
<p style="text-align:justify;">Der amerikanische Psychologe Michael C. Anderson und seine Mitarbeiter an der University of Oregon konnten den Vorgang der Verdrängung mit einer ausgeklügelten Versuchsanordnung nun erstmals experimentell direkt nachweisen und darüber hinaus auch noch die Hirnstrukturen identifizieren, welche daran beteiligt sind.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Versuchspersonen lernten in einer Trainingsphase zunächst  Wortpaare auswendig, die in keinerlei Zusammenhang zueinander standen, wie zum Beispiel &#8222;Roach&#8220; (Kakerlake)  und &#8222;Ordeal&#8220; (Prüfung). Anschliessend wurde in einer weiteren Versuchsrunde (Think &#8211; No Think Phase)  jeweils immer nur eines der beiden erlernten Worte einige Sekunden lang dargeboten. Bei dem ersten Drittel der Wortpaare wurden die Versuchspersonen aufgefordert, intensiv an das andere dazugehörige Wort zu denken (Respond). Bei dem zweiten Drittel sollten die Versuchspersonen gerade nicht an das dazugehörige Wort denken (Suppression). Das letzte Drittel diente als Kontrolle. Es wurde gar kein Wort gezeigt und auch keine Aufgabe gestellt (Baseline). Während der Think &#8211; No Think Phase wurden ausserdem auch noch die Hirnaktivitäten der Versuchspersonen gescannt.</p>
<p style="text-align:justify;">In der abschliessenden Testphase wurden die Versuchspersonen gebeten, sich wieder an die vollständigen Wortpaare zu erinnern (Same Probe).</p>
<p style="text-align:justify;"><img class="alignnone size-full wp-image-197" title="anderson-1" src="http://pharmakologie.files.wordpress.com/2009/04/anderson-1.png?w=604" alt="anderson-1"   /></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Der Versuchablauf am Beispiel der 3 Wortpaare Ordeal- Roach (Prüfung-Kakerlake), Steam-Train (Dampf-Eisenbahn), Jaw-Gum (Kiefer-Kaugummi) mit den Kategorien Insect (Insekt), Vehicle (Fahrzeug), Candy (Süssigkeit) Quelle: </em><em>&#8222;Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories&#8220; in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 09. 01. 2004).</em></p>
<p style="text-align:justify;">Dabei zeigte sich, dass die Worte, an die sich die Versuchspersonen nicht erinnern sollten, tatsächlich schlechter oder gar nicht mehr erinnerbar waren, auch dann wenn für die richtige Antwort Geld geboten wurde. Durch mehrfache Durchführung der Think-No Think Phase konnte der Effekt verstärkt werden.</p>
<p style="text-align:justify;"> <img class="alignnone size-full wp-image-199" title="anderson-2" src="http://pharmakologie.files.wordpress.com/2009/04/anderson-2.png?w=604" alt="anderson-2"   /></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Das Endergebnis mehrerer Versuchsdurchläufe zeigt das Verdrängung tatsächlich funktioniert. Quelle:</em> <em>&#8222;Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories&#8220; in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 09. 01. 2004).</em></p>
<p style="text-align:justify;">Dasselbe passierte auch dann, als in einer weiteren Versuchsreihe (Independent Probe) auf die betroffenen Worte hinweisende Kategorie und zusätzlich sogar noch der Anfangsbuchstabe dargeboten wurde.</p>
<p style="text-align:justify;">Damit war bewiesen, dass die Worte aktiv verdrängt und nicht etwa nur durch alternative Wortassoziationen überlagert oder einfach verlernt worden waren.</p>
<p style="text-align:justify;"><img class="alignnone size-full wp-image-200" title="anderson-3" src="http://pharmakologie.files.wordpress.com/2009/04/anderson-3.png?w=604" alt="anderson-3"   /></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Die übereinstimmenden Versuchsergebnisse bei den Erinnerungstests mit trainierten Wortpaaren  und bei den Gegenproben mit passenden  Kategorien und dem ersten Buchstaben des zu erinnernden Wortes zeigen, das die vergessenen Worte tatsächlich aktiv verdrängt (3) und nicht etwa durch alternative Assoziationen überlagert (1) oder ihre Verknüpfung einfach verlernt wurde (2). Quelle: &#8222;Suppressing unwanted memories by executive control&#8220; in Nature (Bd. 410, Ausgabe vom 15.01.2001).</em></p>
<p style="text-align:justify;">Mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens, das die Stoffwechselaktivitäten in den verschiedenen Hirnregionen sichtbar macht, konnten die Wissenschaftler für die Verdrängung charakteristische Veränderungen im Gehirn ausmachen. Während die Aktivitäten in bestimmten Regionen des Präfrontalen Cortex (PFC, vordere Hirnrinde) zunahmen, gingen sie im Hippocampus (HC) deutlich zurück.</p>
<p style="text-align:justify;"> <img class="alignnone size-full wp-image-201" title="anderson-5" src="http://pharmakologie.files.wordpress.com/2009/04/anderson-5.png?w=604" alt="anderson-5"   /></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Mit Hilfe eines fMRI-Scans (fMRI=funktionelle Magnetresonanztomographie) konnte auch die Areale lokalisiert werden, die an der Verdrängung beteiligt sind: Bestimmte Regionen im präfrontalen Cortex mit Kontrollfunktionen zeigen eine gesteigerte Aktivität, während der  für das bewusste (deklarative) Gedächtnis zuständige Hippocampus eine verringerte Aktivität aufweist. Das bewusste Erinnern wird sozusagen von oben blockiert. Quelle: &#8222;Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories&#8220; in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 9. 01. 2004).</em></p>
<p style="text-align:justify;">Der hinter der Stirn befindliche Präfrontale Cortex (PFC) ist das oberste Zentrum der Handlungskontrolle und sorgt dafür, dass die  Handlungsweisen der jeweiligen Situation angemessen sind. Die bei der Verdrängung aktivierten Bereiche sind auch bei dem (plötzlichen ) Abbruch von Körperbewegungen tätig.  Anderson nennt dafür ein sehr anschauliches Beispiel: Eine Person bemerkt, wie eine Pflanze von einer Fensterbank zu fallen droht und setzt dazu an, diese noch aufzufangen, merkt dann aber im letzten Moment, dass es sich bei der Pflanze um einen Kaktus mit vielen Stacheln handelt und bricht dann gedankenschnell die Rettungsaktion ab.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Hippocampus, eine paarweise angelegte, in der Form an ein Seepferdchen erinnernde  Struktur (daher der Name) organisiert das bewusstseinsfähige (deklarative) Gedächtnis, indem er die Gedächtnisinhalte den entsprechenden Hirnrindenarealen (Assoziationsfeldern) zuweist. Der Hippocampus ist die entscheidende Hirnregion für die Bildung des Langzeitgedächtnisses, für die räumliche Orientierung und das räumliche Gedächtnis, sowie für den Abruf  gespreicherter Erinnerungen.</p>
<p style="text-align:justify;">Bei der Verdrängung blockieren offenbar die aktivierten Regionen des Präfrontalen Cortex &#8222;von oben&#8220; den Hippocampus und erschweren so den Abruf von ansonsten bewusstseinsfähigen Gedächtnisinhalten. Verdrängung ist also ein aktiver Prozess und damit etwas ganz anderes als einfaches Vergessen. Genauso hatte das auch schon Sigmund Freud gesehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein Mass für die Stärke der Verdrängung haben Anderson und seine Kollegen womöglich auch schon gefunden. Es soll in der Stärke der Aktivierung eines bestimmten Teils des Präfrontalen Cortex bestehen, die bei dem Versuch gemessen wurde, die Erinnerung an bestimmte Worte bewusst zu unterdrücken.</p>
<p style="text-align:justify;">Quellen: Michael C. Anderson und Kollegen: &#8222;Suppressing unwanted memories by executive control&#8220; in Nature (Bd. 410, Ausgabe vom 15.01.2001) und  <em>&#8222;</em>Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories&#8220; in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 09. 01. 2004), Wikipedia</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Verwandter Artikel: <a href="http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2007/12/06/psychoanalyse/">Freud, die Psychoanalyse und der Ödipuskomplex</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/135/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=135&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Eltern prägen spätere Partnerwahl</title>
		<link>http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2009/03/31/eltern-pragen-spatere-partnerwahl/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 00:48:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethologie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gesichter der Eltern beeinflussen ganz erheblich die spätere Partnerwahl ihrer Kinder. Der Partner einer Frau ähnelt oft ihrem Vater, die Partnerin eines Mannes oft dessen Mutter. Dieses Phänomen, auf das schon Siegmund Freud hinwies und das sich in seinen Psychoanalysen immer wieder in Form des Ödipuskomplexes zeigte, wurde von dem ungarischen Psychologen Tamás Bereczkei und Kollegen in einer [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=101&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Die Gesichter der Eltern beeinflussen ganz erheblich die spätere Partnerwahl ihrer Kinder. Der Partner einer Frau ähnelt oft ihrem Vater, die Partnerin eines Mannes oft dessen Mutter. Dieses Phänomen, auf das schon Siegmund Freud hinwies und das sich in seinen Psychoanalysen immer wieder in Form des Ödipuskomplexes zeigte, wurde von dem ungarischen Psychologen <a href="http://www.bereczkei.hu/mainpage.html">Tamás Bereczkei</a> und Kollegen in einer wissenschaftlichen Untersuchung eindrucksvoll untermauert.</p>
<p style="text-align:justify;">Zu ihren Ergebnissen kamen sie durch den Vergleich der Fotografien von 52 jungen Paaren mit denen ihrer jeweiligen Eltern. Als Kontrolgruppe diente eine Gruppe von 318 Männern und Frauen in etwa demselben Alter wie die Eltern.</p>
<p style="text-align:justify;">Jedes Gesicht wurde genau vermessen, wobei es um 14 verschiedene Proportionen ging, so zum Beispiel die Länge und Breite des Gesichts, der Augenabstand, die Länge der Nase oder die Breite des Kinns.</p>
<p style="text-align:justify;"><img class="alignnone size-full wp-image-105" title="gesichtsproportionen" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/03/gesichtsproportionen.png?w=604" alt="gesichtsproportionen"   /></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Die für die Untersuchung herangezogenen Gesichtsproportionen: a=Gesichtslänge, b=Gesichtsbreite, c=Nasenlänge, d=Nasenbreite, e=Augenabstand (zwischen den Pupillen gemessen), f=Augehöhe, g=Augenbreite, h=Abstand der inneren Augenwinkel, i=Abstand Nase-Kinn, j=Abstand Mund-Augenbrauen, k=Lippenfülle, l=Lippenbreite, m=Kinnlänge, n=Kinnbreite Quelle: </em><a href="http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf"><em>http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Die Untersuchung ergab eine deutliche Ähnlichkeit zwischen den Gesichtszügen des Vaters und des Partners der jungen Frauen. Diese Ähnlichkeit war besonders auffällig im mittleren Teil des Gesichts, bei Augenabstand sowie Länge und Breite der Nase. Die Gesichter von Mutter und Partnerin der jungen Männer ähnelten sich vor allem im unteren Teil des Gesichts, bei Mundpartie und Breite des Kinns. Ähnlichkeiten Mutter und Partner bzw. Vater und Partnerin wurden nicht festgestellt.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Ähnlichkeiten bei den Gesichtern wurden von unabhängigen Beobachtern anhand einer Skala von 1-10 überprüft und bestätigt.</p>
<p style="text-align:justify;"><img class="alignnone size-full wp-image-104" title="ahnlichkeiten-11" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/03/ahnlichkeiten-11.png?w=604" alt="ahnlichkeiten-11"   /></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe (hellgraue Balken) wurden deutliche Übereinstimmungen auch durch unabhängige Beobachter festgestellt: Weibliche Partner ähnelten den Müttern der Männer, männliche Partner den Vätern der Frauen (höhere dunkelgraue Balken).  Weibliche Partner und Väter der Männer, sowie männliche Partner und Mütter der Frauen ähnelten sich nicht (hellgraue und dunkelgraue Balken in etwa gleiche Höhe). Quelle: </em><a href="http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf"><em>http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Die naheliegende Erklärung ist, dass sich Männer und Frauen als Kinder das Gesicht des andersgeschlechtlichen Elternteils  fest einprägen. Als Erwachsene wählen sie dann unbewusst einen Partner, der ihrer Prägung entspricht.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Untersuchungen der ungarischen Wissenschaftler bestätigt die bei vielen Tieren schon länger bekannte sexuelle Prägung erstmals auch eindeutig beim Menschen. Schon vor vielen Jahrzehnten hatte der Verhaltensforscher Klaus Immelmann die sexuelle Prägung bei Zebrafinken untersucht. Immelmann liess Eier von Zebrafinken durch Mövchen, einer verwandten japanischen Art ausbrüten. Als die Zebrafinken herangewachsen waren, setzte Immelmann die Männchen zu acht Weibchen der eigenen Art und einem Weibchen der Mövchen. Die Zebrafinken-Männchen umwarben das fremde Weibchen, das ihrer Pflegemutter glich, wollten aber gleichzeitig von den Artgenossinnen nichts wissen.</p>
<p style="text-align:justify;"><em><img class="alignnone size-full wp-image-132" title="einzwei21" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2009/03/einzwei21.jpg?w=604" alt="einzwei21"   /></em></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Von Mövchen aufgezogene männliche Zebrafinken ziehen als erwachsene Tiere ein Mövchenweibchen einer arteigenen Partnerin vor. Quelle: </em><a href="http://www.uni-bielefeld.de/biologie/vhf/"><em>http://www.uni-bielefeld.de/biologie/vhf/</em></a><em> (verändert)</em></p>
<p style="text-align:justify;">In einem weiteren Versuch leiss der Wissenschaftler die Zebrafinken-Männchen 3 Jahre lang allein mit den Zebrafinken-Weibchen zusammenkommen. In dieser Zeit zogen die Paare sechsmal Junge auf. Und trotzdem, auch jetzt noch kümmerten sich die Männchen nur um ihre arteigenen Weibchen, wenn sie ihnen begegneten. Die sexuelle Prägung in den ersten Lebenstagen während einer sensiblen Phase der Gehirnentwicklung war offenbar unauslöschlich.</p>
<p style="text-align:justify;">Quelle: <a href="http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf">http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf</a></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Verwandter Artikel: <a href="http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2007/12/06/psychoanalyse/">Freud, die Psychoanalyse und der Ödipuskomplex</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/101/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=101&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Wie Erfahrungen mit Geschwistern die Persönlichkeit formen</title>
		<link>http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2008/09/12/wie-erfahrungen-mit-geschwistern-die-personlichkeit-formen/</link>
		<comments>http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2008/09/12/wie-erfahrungen-mit-geschwistern-die-personlichkeit-formen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 12 Sep 2008 23:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum neigen gar nicht so wenige Menschen zu autoritärem Denken und wünschen sich einen (beinahe) allmächtigen, bevormundenden, &#8222;starken“ Staat. Und warum wehren sich andere Menschen genau dagegen und halten stattdessen die persönliche Freiheit hoch? Warum sind manche Menschen offen gegenüber neuen Ideen und Veränderungen, und warum halten andere starr am Althergebrachten fest? Der amerikanische Wissenschaftshistoriker [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=15&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Warum neigen gar nicht so wenige Menschen zu autoritärem Denken und wünschen sich einen (beinahe) allmächtigen, bevormundenden, &#8222;starken“ Staat. Und warum wehren sich andere Menschen genau dagegen und halten stattdessen die persönliche Freiheit hoch? Warum sind manche Menschen offen gegenüber neuen Ideen und Veränderungen, und warum halten andere starr am Althergebrachten fest?</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Der amerikanische Wissenschaftshistoriker Dr. Frank Sulloway untersuchte in einer über 20 Jahre währenden Forschungsarbeit tausende Biographien von Politikern, Wissenschaftlern und anderen herausragenden Personen des öffentlichen Lebens der letzten rund 500 Jahre. Dabei fand er einen deutlichen Zusammenhang zwischen Geburtsrang in der Geschwisterreihe und Persönlichkeit. Während Erstgeborene überwiegend konservativ denken, neuen Ideen tendenziell ablehnend gegenüber stehen und eher machtorientiert, gleichzeitig aber auch obrigkeitsgläubig sind, neigen die Spätergeborenen zu liberalem, offenen, oft sogar revolutionärem Denken.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/frank_santacruztortoise.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-211" title="frank_santacruztortoise" src="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/frank_santacruztortoise.jpg?w=604" alt=""   /></a><br />
<em>Dr. Frank Sulloway auf den Spuren Darwins (mit Galapagos-Riesenschildkröte) Quelle: </em><a href="http://www.sulloway.org/"><span style="color:#0000ff;"><em>http://www.sulloway.org/</em></span></a><span style="font-size:78%;"><br />
</span><br />
Zur Erklärung dieser grossen Unterschiede, die auch und gerade innerhalb derselben Familie vorkommen, zwischen Geschwistern also, deren Erbanlagen immerhin zur Hälfte übereinstimmen und die zumindest auf den ersten Blick unter in etwa gleichen Umständen aufwachsen, zieht Sulloway das Divergenzprinzip aus der Evolutionstheorie von Charles Darwin heran. Genauso wie Lebewesen im Kampf ums Überleben um die knappen Ressourcen ihrer Umwelt konkurrieren und sich nur diejenigen mit den dafür geeigneten Erbanlagen erfolgreich fortpflanzen und damit längerfristig überleben (Selektionsprinzip), ringen auch Geschwister untereinander um die knappe Ressource Zuwendung und Fürsorge durch die Eltern. Um die direkte Konkurrenz untereinander zu verringern, suchen sich Lebewesen verschiedene ökologische Nischen, d.h. sie entwickeln unterschiedliche Lebensweisen und nutzen damit auch teilweise unterschiedliche Ressourcen.</p>
<p style="text-align:justify;">    <img class="alignnone size-full wp-image-119" title="charles-darwin-1" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/charles-darwin-1.jpg?w=604" alt="charles-darwin-1"   /><br />
<em>Charles Darwin (1809-1882) Quelle:  </em><a href="http://www.mpg.de/"><em>http://www.mpg.de/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Eines der schönsten Beispiele für dieses Divergenzprinzip (Divergenz = Auseinanderentwicklung, von lat. di = auseinander-, vergere = neigen) fand bereits Darwin auf den südamerikanischen Galapagosinseln und regte ihn zur Entwicklung seiner Evolutionstheorie an: Auf den Galapagosinseln, 1000 km vor der Küste von Ecuador leben 14 jeweils nur auf einer Insel vorkommende, sehr eng verwandte Singvogelarten, die Darwinfinken, die alle von einer gemeinsamen Ursprungsart vom Festland abstammen. Sie unterscheiden sich lediglich in ihren Schnabelformen, die sie zu unterschiedlichen Ernährungsweisen befähigen. Eine wenig spezialisierte Art fächert sich bei Besiedlung eines neuen Lebensraumes, welcher verschiedenartige Ernährungsmöglichkeiten bietet, in neue wesentlich stärker spezialisierte Arten auf, die jeweils ihre ökologischen Nischen besetzen (adaptive Radiation, lat. adaptare &#8211; anpassen; radiatus – strahlend). Wichtig für das Entstehen neuer Arten eine gewisse räumliche Trennung, damit es nicht immer wieder zu einer genetischen Durchmischung kommt.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/finch.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-213" title="finch" src="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/finch.jpg?w=604" alt=""   /></a><br />
<em>Adaptive Radiation bei den Darwinfinken, die sich vor allem in ihren Schnabelkonstruktionen unterscheiden. Das Spektrum reicht von den langen, spitzen Schnäbeln der Insektenfresser bis zu kernbeißerähnlichen Schnäbeln, mit denen sich harte Körner und Nüsse knacken lassen. Eine besondere Gruppe der Darwinfinken sind die Spechtfinken, die als Werkzeug bei der Nahrungssuche abgebrochene Ästchen oder Kaktusstacheln verwenden, mit denen sie Larven aus Löchern in Baumstämmen holen. Quelle: </em><a href="http://www.britannica.com/"><em>http://www.britannica.com/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Dasselbe Divergenzprinzip wirkt auch bei Geschwistern und ihrem Kampf um die Aufmerksamkeit der Eltern. Dabei bedienen sich Erst- und Spätergeborene unterschiedlicher (divergenter) Strategien, suchen sich also jeweils ihre eigene familiäre Nische:<br />
Erstgeborene zeigen eine starke Neigung, sich mit den Eltern zu identifizieren und ihnen nachzueifern. Dies wird noch verstärkt, wenn sie ihren Eltern einige (Erziehungs-)aufgaben gegenüber den jüngeren Geschwistern abnehmen. Dabei lernen die Erstgeborenen zwar einerseits Verantwortungsbewusstsein, üben aber andererseits, begünstigt durch ihren Altersvorsprung, nur allzu oft gegenüber den Spätergeborenen auch ein bevormundendes Machtgehabe ein, das sie später auch im Umgang mit anderen Menschen nie wieder loswerden.</p>
<p style="text-align:justify;">Mit der Geburt jüngerer Geschwister verlieren die Erstgeborenen den Alleinanspruch auf elterliche Zuwendung und Liebe, was sehr schmerzhaft ist und sie reizbar werden lässt. Sie werden eifersüchtig und neigen oft auch zu plötzlichen Wut- und Gewaltausbrüchen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Spätergeborenen müssen eine andere Strategie wählen als ihren Eltern einfach nur nachzueifern. Sie entwickeln Talente, die bisher in der Familie noch fehlen, um die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Eltern zu gewinnen. Dadurch entwickeln die Spätergeborenen Phantasie und Kreativität, werden so offener für neue Ideen und Erfahrungen und wagen es eher einmal ganz neue Wege zu gehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Wegen ihrer relativen körperlichen Schwäche gegenüber den Erstgeborenen sind Spätergeborene darauf angewiesen sich möglichst mit ihren älteren Geschwistern  irgendwie friedlich zu einigen. Spätergeborene vermeiden daher gewaltsame Auseinandersetzungen, verhandeln stattdessen lieber und setzen auf einen versöhnlichen Ausgleich und nicht wie die Erstgeborenen eher auf Machtausübung. Dabei lernen sie natürlich, sich in Andere hineinzuversetzen und entwickeln so grössere soziale Fähigkeiten. Spätergeborene werden dadurch im Umgang freundlicher und friedlicher als Erstgeborene. Andererseits entwickeln die von Geburt an benachteiligten Spätergeborenen einen hochempfindlichen Sinn für Gerechtigkeit; wodurch sie zu sozialem Denken neigen und sich gegen Ungerechtigkeiten wehren. Sie werden zu Rebellen.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/515ccwr1tal__ss500_.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-212" title="515ccwr1tal__ss500_" src="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/515ccwr1tal__ss500_.jpg?w=604" alt=""   /></a><br />
<em>Das für Psychologie und Geschichtswissenschaft bahnbrechende Buch<br />
von Dr. Frank J. Sulloway Quelle: </em><a href="http://www.amazon.de/"><em>www.amazon.de</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Ein typisches Beispiel ist der schon Charles Darwin. Dieser, das fünfte von sechs Geschwistern, war im Alter von 22 Jahren Priesteranwärter, als sich ihm die Gelegenheit der Teilnahme einer Forschungsreise um die ganze Welt bot. Dabei gewann er, vor allem auf den Galapagosinseln, Erkenntnisse die sein bibeltreues, christliches Weltbild über den Haufen warfen. Unterstützung für seine neue Evolutionstheorie gewann Darwin, der seine Theorie eher zurückhaltend propagierte und auf die Gefühle Andersdenkender immer Rücksicht nahm, zunächst fast ausschliesslich bei Spätergeborenen. Die Erstgeborenen unter den Wissenschaftlern bekämpften diese hingegen vehement, obwohl ihnen die gleichen der christlichen Schöpfungslehre widersprechenden Befunde vorlagen wie Darwin. Erst später, als sich die darwinsche Evolutionstheorie zunehmend durchgesetzt hatte, schwenkten auch immer mehr Erstgeborene um. Dieses Muster wiederholte sich übrigens ähnlich auch bei allen anderen revolutionären Umwälzungen in der Wissenschaft.</p>
<p style="text-align:justify;">Dasselbe gilt auch für politische Revolutionen. Auch hier spielen die aufgeschlossenen Spätergeborenen immer eine Vorreiterrolle. Geleitet von ihrem Gerechtigkeitssinn, treten sie als Reformer oder Revolutionäre für die Armen und Unterdrückten ein. Kommt ein politischer Wandel erst einmal in Gange, mischen zunehmend auch Erstgeborene mit und greifen umgehend nach der Macht. Dann dauert es leider oft nicht mehr lange bis sich die Gefängnisse (wieder) füllen und es oft auch Tote gibt. So bestimmten beispielsweise vor und in den ersten Jahren nach der französischen Revolution im Jahre 1789 liberale Spätergeborene (Gabriel Mirabeau, Pierre Vergniaud, Jacques Pierre Brissot) das Geschehen. Sie gehörten zur Partei der Girondisten, deren Anführer überwiegend aus der Gironde, einer Region im Südwesten Frankreichs stammten. Die Girondisten sassen auf den mittleren Rängen im Parlament. Daneben gab es noch die gemässigte Partei der Ebene mit einem noch höheren Anteil Spätergeborener unter ihren Mitgliedern, deren Abgeordnete im Parlament ganz unten sassen und die radikalen Montagnards, die Bergpartei, so genannt, weil deren Abgeordnete, hauptsächlich Erstgeborene (!) auf den obersten Bänken im Parlament sassen.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/declaration_of_human_rights.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-214" title="declaration_of_human_rights" src="http://unsichtbarehand.files.wordpress.com/2008/09/declaration_of_human_rights.jpg?w=604" alt=""   /></a><br />
<em>Die Deklaration der Menschenrechte nach der französischen Revolution im Jahre 1789 Quelle: Wikipedia</em></p>
<p style="text-align:justify;">Die gemässigten Girondisten setzten die allgemeinen Menschenrechte und eine liberale Verfassung mit umfangreichen bürgerlichen Freiheitsrechten durch. Dann aber, als die innere und äussere Bedrohung durch konterrevolutionäre monarchistische Kräfte zunahm, kamen die machtbewussten Erstgeborenen (Maximilien Robespierre, Jean-Paul Marat, Antoine de Saint-Just) der Bergpartei zum Zuge und errichteten eine Schreckensherrschaft, in deren Verlauf rund 40.000 vermeintliche oder tatsächliche Gegner der Revolution mit der Guillotine hingerichtet wurden. Georges-Jacques Danton, ein führendes Mitglied der Bergpartei, aber ein Spätergeborener, versuchte den Terror einzudämmen. Er wurde schliesslich von Maximilien Robespierre entmachtet und hingerichtet. Maximiliens jüngerer (!) Bruder Augustin kritisierte ebenfalls die ausufernde Terrorherrschaft, wurde aber verschont.</p>
<p style="text-align:justify;">Auch im 20. Jahrhundert gelangten von Mussolini, dem Faschistenführer in Italien, über Stalin in der Sowjetunion, der den spätergeborenen Initiator der Oktoberrevolution 1917 Lenin ablöste bis hin zum chinesischen Kommunistenführer Mao, immer wieder Erstgeborene an die Spitze revolutionärer Bewegungen. Der nationalsozialistische deutsche Reichskanzler und Führer Adolf Hitler (1889-1945), scheint auf den ersten Blick eine Ausnahme zu sein, denn er war das vierte von sechs Kindern. Allerdings starben die drei älteren Brüder schon im allerfrühesten Kindesalter noch vor Hitlers Geburt! Auch der 5 Jahre jüngere Bruder wurde nur 6 Jahre alt. Nur die allerjüngste Schwester erreichte wie Hitler das Erwachsenenalter. Adolf Hitler wuchs also de facto als ein Erstgeborener auf! Drei weitere Erstgeborene, Winston Churchill (Grossbritannien), Theodore Roosevelt (USA)und Josef Stalin (Sowjetunion), führten die Alliierten Mächte im 2. Weltkrieg (1939-1945) gegen Hitler. Ein interessantes Detail am Rande: Churchill löste im zweiten Kriegsjahr den glücklosen Spätergeborenen (!) Neville Chamberlain als britischer Premierminister ab. Dieser hatte zunächst versucht, durch eine von Churchill kritisierte Verhandlungslösung in der Sudetenkrise den Krieg noch abzuwenden und war wesentlich am Zustandekommen des Münchener Abkommen beteiligt. Darin wurde Hitler weit entgegengekommen und die Abspaltung des überwiegend deutschsprachigen Sudetenlandes von der Tschechoslowakei und der Anschluss an das Deutsche Reich gebilligt. Im Gegenzug versprach Hitler, die Souveränität der übrigen Tschechoslowakei zu respektieren. Dieses Versprechen wurde von ihm aber unmittelbar danach gebrochen.</p>
<p style="text-align:justify;">Auch nach Ausbruch des 2. Weltkrieges war Chamberlain noch bemüht Kriegsgräuel zu vermeiden. Er verbot ausdrücklich britische Luftangriffe auf deutsche Städte. Churchill vertrat dagegen schon lange vor Kriegsausbruch die Auffassung, daß Luftangriffe auf Wohngebiete ein geeignetes Mittel seien, um die gegnerische Zivilbevölkerung zu zermürben. Nachdem er Premierminister geworden war, setzte er diese Vorstellungen gegen Deutschland schon sehr bald in die Tat um und trug damit nicht unerheblich zur Eskalation der Gewalt im Laufe des 2.Welkrieges bei. Die allgemein immer weiter zunehmende Brutalisierung des Krieges erleichterte Hitler die schon länger geplante Deportation und Ermordung der Juden innerhalb und ausserhalb Deutschlands, welche ansonsten kaum in diesem Ausmass durchsetzbar gewesen wäre.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Unterschiede zwischen Churchill und Chamberlain spiegeln sehr gut die Unterschiede zwischen typischen Erstgeborenen- und Spätergeborenenstrategien wider.</p>
<p style="text-align:justify;">Neben den Erfahrungen mit Geschwistern, die eine große Rolle spielen, formen aber auch andere Einflussfaktoren die Persönlichkeit eines Menschen. Bei Einzelkindern sind diese für die Entwicklung der Persönlichkeit praktisch allein ausschlaggebend. Ansonsten kommt es aber zu komplizierten Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren untereinander und mit den persönlichkeitsprägenden Erfahrungen mit Geschwistern.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Kommt es hier zu grösseren Konflikten, so können auch Erstgeborene offen für neue Erfahrungen und zu Rebellen werden, da eine Identifikation mit den Eltern dann nicht mehr möglich ist. Es bleibt ihnen dann nichts anderes übrig als eine Spätergeborenenstrategie zu wählen. Dasselbe passiert auch, wenn die Eltern sich häufig und heftig streiten. Die Kinder können dann sogar in die Rolle eines Vermittlers geraten.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein bekanntes Beispiel ist der Preussenkönigs Friedrich II.(der Große): Der war, als ältester Sohn und Kronprinz, von seinem autoritären und unbeherrschten Vater Friedrich Wilhelm I. schwer drangsaliert und einmal sogar beinahe getötet worden und wurde später zu einem liberalen, aufgeklärten Monarchen, der viele woanders Verfolgte in seinem Königreich aufnahm und darüber hinaus eine sehr weitgehende Rede- und Pressefreiheit zuliess, die selbst scharfe Kritik an der Person des Königs einschloss.</p>
<p style="text-align:justify;">Weitere Einflussfaktoren sind das (angeborene) Temperament, das Geschlecht, Klassenzugehörigkeit, aber natürlich auch die von den Eltern direkt vermittelten Werte. So sind Erstgeborene liberaler meist offener für neue Ideen als Erstgeborene konservativer Eltern. Es können sich dabei richtige Familientraditionen entwickeln. Eltern, die als Spätergeborene gross wurden, bevorzugen meist einen liberalen Erziehungsstil, der Erstgeborene weniger konservativ macht und Spätergeborene dementsprechend noch liberaler. In der Familie von Charles Darwin waren Vater, Grossvater und Urgrossvater ebenfalls Spätergeborene, woraus sich eine aussergewöhnlich liberale Familientradition ergab. Das begünstigte wiederum die Entwicklung von Charles Darwin zu einem Revolutionär der Wissenschaft.</p>
<p style="text-align:justify;">Zu Extremen neigende Persönlichkeiten stammen häufig aus der Unterschicht. Das gilt für Erst- und Spätergeborene mit ihren ganz verschiedenen Strategien gleichermassen. Nach der französischen Revolution erwiesen sich Erstgeborene aus der Unterschicht als besonders erbarmungslos. Sie stimmten als Abgeordnete im Parlament nach der versuchten und gescheiterten Flucht Ludwigs XVI fast geschlossen für die Hinrichtung des Königs. Von den spätergeborenen Deputierten gleicher Herkunft jedoch stimmten nur gut 40% dafür! Keine andere Gruppe im Parlament übte größere Nachsicht mit dem abgesetzten König.</p>
<p style="text-align:justify;">Interessant ist auch das Zusammenspiel zwischen Geburtsrang und Geschlecht. Als männlich gelten Selbstvertrauen, Machtstreben, Konkurrenzverhalten, Durchsetzungsvermögen und Aggressivität, alles Eigenschaften die auch tendenziell Erstgeborene auszeichnen und als &#8222;instrumentell“ bezeichnet werden. Als weiblich gelten hingegen Zuwendung, Kooperationsbereitschaft und Flexibilität. Diese &#8222;expressiven“ Eigenschaften sind auch typisch für Spätergeborene. Wächst eine erstgeborene Schwester mit einem spätergeborenen Bruder auf, so entwickelt diese relativ stark instrumentelle Tendenzen und verhält sich damit &#8222;männlicher“ als der deutlich expressivere Bruder. Wächst ein erstgeborener Bruder mit einer spätergeborenen Schwester auf, so verhält sich dieser weniger „&#8220;nstrumentell“, als wenn es ein spätergeborener Bruder wäre. Unabhängig vom Geschlecht zeigen die Erstgeborenen aber immer deutlich mehr “instrumentelle“ Eigenschaften als die Spätergeborenen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Forschungsergebnisse von Dr. Frank Sulloway über die Einfluss der Erfahrungen mit Geschwistern bei der Herausbildung der Persönlichkeit und die sich daraus ergebenden Konsequenzen haben eine immense Bedeutung für Psychologie, Geschichtswissenschaft und Politik. Es zeichnet sich die nicht nur die Möglichkeit ab, geschichtliche Abläufe besser als bisher zu verstehen, sondern es könnte vielleicht sogar gelingen (wenn auch mit einer gehörigen Portion Unsicherheit!), bei ausreichender Kenntnis der Biographie der handelnden Personen damit sinnvolle Prognosen der zukünftigen politischen Entwicklung zu wagen.</p>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;"><span style="color:#000099;"><span style="color:#000000;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></span></span><span style="color:#000000;"> </span></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;">Quellen:<br />
Der Rebell der Familie Dr. Frank Sulloway Siedler-Verlag, Berlin 1996<br />
Homepage von Dr. Frank Sulloway </span><span style="color:#000000;"><a href="http://www.sulloway.org/">http://www.sulloway.org/</a> </span><br />
<span style="color:#000000;">Von Guernica bis Vietnam. Die Leiden der Zivilbevölkerung im modernen Krieg. David Irving Heyne-Verlag, München 1982 </span><span style="color:#000000;"><a href="http://www.fpp.co.uk/books/Guernica/index.html">http://www.fpp.co.uk/books/Guernica/index.html</a> </span><br />
<span style="color:#000000;">BBC Historic Figures </span><span style="color:#000000;"><a href="http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/">http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/</a> </span><br />
<span style="color:#000000;">Wikipedia</span></p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/15/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=15&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Festinger, Freud und die Theorie der Kognitiven Dissonanz</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Mar 2008 23:10:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Unser Denken und Fühlen bestimmt unser Handeln, so lautet die gängige Ansicht, die auch sehr gut mit den allseits gemachten Lebenserfahrungen übereinstimmt. Der amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger stellte mit seiner Theorie der Kognitiven Dissonanz aber genau diese Ansicht auf den Kopf, indem er aufzeigte, daß sehr oft unser Handeln unser Denken und Fühlen bestimmt und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=11&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Unser Denken und Fühlen bestimmt unser Handeln, so lautet die gängige Ansicht, die auch sehr gut mit den allseits gemachten Lebenserfahrungen übereinstimmt. Der amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger stellte mit seiner Theorie der Kognitiven Dissonanz aber genau diese Ansicht auf den Kopf, indem er aufzeigte, daß sehr oft unser Handeln unser Denken und Fühlen bestimmt und nicht umgekehrt.</strong></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Ein Beispiel</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Stellen Sie sich vor, Sie haben das Gefühl, ohne Zigaretten nicht wirklich gut leben zu können, aber immer wieder von den gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens .zu hören und zu lesen. Und der morgendliche Husten ist leider auch schon zur Regel geworden. Das ist auch der Grund dafür, dass Ihnen Ihr Arzt und Apotheker immer wieder empfehlen, mit dem Rauchen endlich aufzuhören.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/kdr_rauchen.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-47" title="kdr_rauchen" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/kdr_rauchen.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Rauchen und Kognitive Dissonanz Reduktion (KDR) Abbildung durch Anklicken vergrößerbar!Quelle: </em><a href="http://www.psychologie.uni-oldenburg.de/"><em>http://www.psychologie.uni-oldenburg.de/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Aus dem Widerspruch zwischen diesen einander genau entgegengesetzten Wahrnehmungen und Gedanken über das Rauchen (Kognitionen) entsteht ein innerer Konflikt, ein Missklang (Dissonanz), der unangenehme Gefühle verursacht. In dieser Situation gibt es nun mehrere Möglichkeiten für Sie:</p>
<p style="text-align:justify;">Am Besten wäre es natürlich, mit dem Rauchen aufzuhören, also das eigene Handeln zu verändern und damit den Konflikt der entgegengesetzten Wahrnehmungen und Gedanken (Kognitive Dissonanz) aufzulösen. Doch dagegen stehen die oft allzu lieb gewonnenen Gewohnheiten, wie etwa die verdauungsfördernde Zigarette nach dem Essen in gemütlicher Runde. Also wird oft weitergeraucht und versucht, den inneren Konflikt, die Kognitive Dissonanz, auf verschiedene andere Weisen abzumildern: Die Informationen über die Gefährlichkeit des Rauchens werden entweder relativiert, ihre diesbezügliche Kognition also verändert (&#8222;Es ist ja noch nichts eindeutig bewiesen“, &#8222;Auch Nichtraucher bekommen immer wieder Lungenkrebs.“ usw.) oder aus Ihrem Bewusstsein verbannt (Verdrängung) oder aber positive, wohlklingende Gedanken (Konsonante Kognitionen) über das Rauchen werden hinzugefügt (&#8222;Rauchen ist gut für meine Nerven&#8230;“ &#8222;Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, werde ich zu dick.“ &#8222;Mein Grossvater hat immer geraucht und ist trotzdem 90 Jahre alt geworden.“). Das Denken und Fühlen wird damit dem Weiterrauchen, also dem tatsächlichen Handeln angepasst.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Kognitive Dissonanz Reduktion (KDR)</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Leon Festinger (* 8. Mai 1919 in New York City; † 11. Februar 1989), ein amerikanischer Sozialpsychologe und Sohn russischer Einwanderer entwickelte in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Kognitiven Dissonanz. Danach tritt eine Kognitive Dissonanz (&#8222;Missklang&#8220;) auf, wenn zwei oder mehrere Kognitionen (K) einer Person einander widersprechen. Kognitionen sind innere (seelische) Vorgänge einer Person wie Gedanken, Meinungen, Wünsche und Einstellungen, aber auch (logische) Schlussfolgerungen. Die Kognitive Dissonanz (KD) erzeugt eine innere Spannung, die unangenehme Gefühle verursacht und deshalb nach Auflösung verlangt (Kognitive Dissonanz Reduktion KDR).Die Kognitive Dissonanz Reduktion gelingt entweder, indem die schwächeren Kognitionen geändert oder verdrängt werden, oder aber indem neue konsonante (&#8222;wohlklingende&#8220;) Kognitionen hinzukommen.Schwache Kognitionen haben nur wenige oder gar keine konsonanten Beziehungen zu anderen Kognitionen, wohingegen starke Kognitionen in einem stabilen konsonanten Beziehungsgeflecht stehen. Vollendete Handlungen sind immer mit starken Kognitionen verbunden, insbesondere dann, wenn sich diese Handlungen nicht mehr rückgängig machen lassen.Leon Festinger konnte die Kognitive Dissonanz Reduktion in eindrucksvollen Experimenten immer wieder beweisen.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/theory24l.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-48" title="theory24l" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/theory24l.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Leon Festinger (1919-1989) Quelle: Wikipedia</em></p>
<p style="text-align:justify;">In einem klassischen Experiment von Festinger und Carlsmith (1959) mussten die Versuchspersonen monotone, langweilige und sinnlos erscheinende Tätigkeiten ausüben. (Schrauben in ein Brett drehen und um 90° drehen, Schrauben wieder aus dem Brett herausdrehen usw.).Die Versuchspersonen bewerteten ihre Tätigkeiten natürlich sehr negativ. Nach einer längeren &#8222;Arbeitszeit“ war das Experiment (scheinbar) vorüber, und die Versuchspersonen durften gehen. Später wurden sie aber, als &#8222;ehemalige“ Teilnehmer des Experiments um den Gefallen gebeten, &#8222;neue“ Teilnehmer zu gewinnen und davon zu überzeugen, dass das Experiment nicht langweilig, sondern sehr interessant sei. Einige der &#8222;Ehemaligen“ bekamen 20 $ für diesen Gefallen, andere nur 1 $ und ein weiterer Teil, die Kontrollgruppe wurde erst gar nicht darum gebeten. Nach ihrer Überzeugungsarbeit, die ihnen ja eine Lüge abverlangte, wurden die &#8222;Ehemaligen“ gebeten, ihre Schrauben-Dreh-Tätigkeit noch einmal rückwirkend neu zu bewerten. Diejenigen, die nur 1 $ bekommen hatten, schätzten diese nun deutlich positiver ein als zuvor und positiver als diejenigen, die 20 $ bekamen oder zur Kontrollgruppe gehörten. Festinger und Carlsmith erkannten eine Kognitive Dissonanz bei den &#8222;Ehemaligen“, da diese den &#8222;Neuen“ eine Tätigkeit als interessant anpreisen sollten, die sie selber in Wirklichkeit als sehr langweilig empfunden hatten. Die &#8222;Ehemaligen“, die 20 $ für ihre Lüge bekamen, sahen darin eine ausreichende (finanzielle) Rechtfertigung. Ihre Kognitive Dissonanz war somit ausgeglichen.Die &#8222;Ehemaligen“ aber, die nur 1 $ erhielten, änderten ihre eigenen Ansichten über die zunächst von ihnen als langweilig angesehene Schrauben-Dreh-Tätigkeit. Da sie für ihre Lügen gegenüber den &#8222;Neuen“ keine ausreichende (finanzielle) Rechtfertigung gehabt hatten, blieb ihre Kognitive Dissonanz offensichtlich bestehen und führte dann zur Einstellungsänderung. Laut Festinger und Carlsmith halten viele Menschen eher eine zunächst offensichtliche Lüge nach einiger Zeit für wahr, als ohne ausreichende Rechtfertigung bewusst zu lügen, falls sie denn mit Nachdruck dazu aufgefordert werden!</p>
<p style="text-align:justify;">Kognitive Dissonanz Reduktion (KDR) ist weit verbreitet, und bei genauem Hinsehen findet man sie auch, sei es in Politik, Religion, Wissenschaft und Wirtschaft!</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Freud und die Verdrängung</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London), der Begründer der Psychoanalyse beschäftigte sich ebenfalls mit inneren Konflikten und entdeckte dabei die Verdrängung, ein Vorgang, welcher im Wesentlichen der Kognitiven Dissonanz Reduktion (KDR) entspricht. Wie Sigmund Freud herausfand, werden unangenehme Gedanken, Erinnerungen und Gefühle, aber auch verbotene Wünsche sehr oft verdrängt und dadurch unbewusst. In den Träumen, aber auch im machen sich  verdrängten Inhalte aber immer wieder bemerkbar, ohne dass dies den betroffenen Personen überhaupt bewusst wird. Die der Verdrängung zugrundeliegenden, ungelösten seelischen Konflikte beeinträchtigen das Lebensglück der Betroffenen und können auch zu psychischen Erkrankungen führen. Die von Freud begründete Psychoanalyse versucht das Verdrängte ins Bewusstsein zurückzuholen und so eine Auflösung der belastenden seelischen Konflikte zu erreichen.</p>
<p style="text-align:justify;">Quelle: &#8222;Theorie der kognitiven Dissonanz&#8220; von Leon Festinger,1978</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Verwandter Artikel: <a href="http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2007/12/06/psychoanalyse/">Freud, die Psychoanalyse und der Ödipuskomplex</a></p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/11/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=11&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Träume und die Biologie des Unbewussten</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2008 22:15:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Psychoanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Neurophysiologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Träume spielen eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisbildung, verknüpfen alte und neue Gedächtnisinhalte miteinander und helfen so bei der Entwicklung neuer Handlungs- und Überlebenstrategien. So lautet die schon aus dem Jahre 1986 stammende Traumtheorie des amerikanischen Neuropsychologen Jonathan Winson. Diese ist nach wie vor aktuell, denn bis in die jüngste Zeit wurden hauptsächlich durch Versuche [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=13&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Träume spielen eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisbildung, verknüpfen alte und neue Gedächtnisinhalte miteinander und helfen so bei der Entwicklung neuer Handlungs- und Überlebenstrategien. So lautet die schon aus dem Jahre 1986 stammende Traumtheorie des amerikanischen Neuropsychologen Jonathan Winson. Diese ist nach wie vor aktuell, denn bis in die jüngste Zeit wurden hauptsächlich durch Versuche mit Tieren immer wieder eindeutige Indizien gefunden, die diese Theorie über die Träume unterstützen.</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Träume sind Erlebnisse im Schlaf und treten überwiegend während der REM- Phasen auf. Während dieser REM-Phasen ist der Schlaf nur leicht und es finden schnelle Augenbewegungen (rapid eye movements REM) statt REM-Phasen und Tiefschlafphasen wechseln während einer Nacht mehrmals einander ab.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/1_3_1_schlafphasen_neu.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-33" title="1_3_1_schlafphasen_neu" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/1_3_1_schlafphasen_neu.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Die Schlafphasen Quelle: </em><a href="http://www.schlaf.de/"><em>http://www.schlaf.de/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Das Nervensystem und das Gehirn bestehen aus einem dichten Netzwerk einzelner, auf extrem komplexe Weise verschalteter Nervenzellen (Neurone). Eine Nervenzelle kann bis zu 10000 Kontaktstellen (Synapsen) haben.</p>
<p style="text-align:justify;">Nervenzellen können elektrische Impulse erzeugen und weiterleiten. Sie empfangen elektrische Signale mit ihren Dendriten von anderen vorgeschalteten Neuronen und leiten sie über den Zellkörper und das sich oft auch verzweigende Axon an weitere nachgeschaltete Neuronen weiter. Die Weitergabe der Signale einer Nervenzelle an nachgeschaltete Nervenzellen erfolgt chemisch über Kontaktstellen (Synapsen) durch Signalstoffe (Neurotransmitter). Diese werden von der Nervenzelle hergestellt, in kleinen Bläschen (Vesikeln) gespeichert und bei Eintreffen eines elektrischen Impulses von den Synapsen ausgeschüttet. Über kleine Zwischenräume (synaptischer Spalt) erreichen die Neurotransmitter sehr schnell nachgeschaltete Nervenzellen und lösen dort neue elektrische Impulse (Aktionspotentiale) aus. Nach Gebrauch werden die Neurotransmitter entweder durch enzymatischen Abbau oder durch Wiederaufnahme in die Synapsen rasch inaktiviert, so dass eine erneute Signalübertragung möglich wird. Neben den Nervenzellen die elektrische Impulse auslösen, gibt es auch solche, deren Synapsen Neurotransmitter enthalten, die bei Ausschüttung die elektrische Erregbarkeit nachgeschalteter Nervenzellen hemmen (inhibitorische Neurone). Diese hemmenden Nervenzellen sind ausserordentlich wichtig, weil im Nervensystem die Aktivierung eines Prozesses in den allermeisten Fällen die Inaktivierung eines anderen (konkurrierenden) Prozesses erfordert.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/neuron.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-34" title="neuron" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/neuron.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Nervenzelle (Neuron) Quelle: </em><a href="http://home.arcor.de/ralf.sitter/kyb/neuro/neuro1.htm"><em>http://home.arcor.de/ralf.sitter/kyb/neuro/neuro1.htm</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Es gibt neben den chemischen auch elektrische Synapsen, wo der Strom über direkten Kontakt mit der nachgeschalteten Nervenzelle weitergeleitet wird (s.u.). Eine typische Nervenzelle ist also mit Tausenden von erregenden und hemmenden Synapsen verbunden, und immer wieder fällt eine neue &#8222;Entscheidung“ darüber, ob ein neues Aktionspotenzial ausgelöst wird oder eben nicht. Auf diesen fortwährenden &#8222;Entscheidungsprozessen&#8220; beruht die Informationsverarbeitung in Gehirn und Nervensystem. Das &#8222;Alles-oder-Nichts-Prinzip“ bei den Aktionspotenzialen erfordert eine einfache Form der Kodierung von Information, die &#8222;Frequenzkodierung&#8220;: Wenn eine Nervenzelle nur schwach erregt wird, bilden sich pro Zeiteinheit weniger Aktionspotenziale aus, als bei starker Erregung. Wenn man beispielsweise sanft berührt wird, entstehen in den entsprechenden Hautnerven weniger Aktionspotenziale als wenn man fest gekniffen wird. Auf diese Weise kommt es zu einer abgestuften Wahrnehmung. Die Nervenzellen des Gehirns erzeugen schwache elektrische Ströme, die mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) sichtbar gemacht werden können. In Abhängigkeit vom Bewusstseinszustand treten verschiedene Schwingungsmuster auf. Im Tiefschlaf sind es die langen, niederfrequenten Deltawellen (&lt; 4 Hz), im Wachzustand bei geschlossenen Augen herrschen die deutlich kürzeren Alphawellen (8-13 Hz) vor, und beim Öffnen der Augen bricht der Alpha-Rhythmus zusammen und wird durch ein noch schneller schwingendes Aktivitätsmuster, die hochfrequenten Betawellen (14-60 Hz) ersetzt., welche für komplexe Wahrnehmungen typisch sind. Wenn der Schlaf gestört wird, etwa durch ein ungewohntes Geräusch, verschwinden im Hirnstrombild die langsamen Delta-Wellen und der Schlaf wird kurzzeitig unterbrochen. Doch auch ohne Störung von aussen verschwinden die Deltawellen zwischenzeitlich und zwar immer während einer REM-Phase. Wie im Wachzustand bei erhöhter Aufmerksamkeit dominieren die Betawellen.</p>
<p style="text-align:justify;">Das Gehirn arbeitet stets in elektrischen Rhythmen. Dadurch laufen alle Vorgänge im Gehirn geordnet ab. Das lässt sich am Besten anhand eines Ruderbootes veranschaulichen. Bei einem Vierer-Rennboot beispielsweise, kommt das Boot nur dann voran, wenn alle im gleichen Rhythmus rudern. Ansonsten kommen sich die einzelnen Ruderer mit ihren Rudern ins Gehege und nichts geht mehr.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/boot-boat.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-35" title="boot-boat" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/boot-boat.gif?w=604" alt=""   /></a><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/skull-oar.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-36" title="skull-oar" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/skull-oar.gif?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Nur wenn alle Ruderer des Vierers mit Steuermann im selben Rhythmus sind kommt das Boot voran. Quelle: </em><a href="http://www.rish.de/bootskunde.html"><em>http://www.rish.de/bootskunde.html</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Auch die Gedächtnisbildung ist mit einem bestimmten Rhythmus verbunden. Die Thetawellen (5-10 Hz) kommen im Wachzustand, aber auch in den REM-Phasen des Schlafes vor und werden im Hippocampus, der Schaltzentrale des limbischen Systems erzeugt. Das limbische System dient der Verarbeitung von Gefühlen, ist aber auch zu echten Denkleistungen fähig. Im Hippocampus fliessen Informationen verschiedener sensorischer Systeme (Sinnesorgane) zusammen, die verarbeitet und von dort zur Grosshirnrinde (Cortex) zurückgesandt werden. In der Grosshirnrinde, die besonders viele Nervenzellen enthält, befinden sich die Zentren der Sensorik (Sinnesorgane), Motorik (willkürliche Bewegungen) und der Motivation. Auch alle höheren Denkleistungen finden hier statt.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/inhibitory20cortex.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-37" title="inhibitory20cortex" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/inhibitory20cortex.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Netzwerke von Nervenzellen in der Grosshirnrinde (Neocortex): Die &#8222;Schaltkreise&#8220; sind von einer beinahe unübersehbaren Komplexität. Trotzden lässt sich der säulenförmige Aufbau der Grosshirnrinde erkennen. Die rot angefärbten Nervenzellen sind Pyramidenzellen. Quelle: </em><a href="http://www.coloradocollege.edu/"><em>http://www.coloradocollege.edu/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Der Hippocampus bewirkt die Konsolidierung des Gedächtnisses, also die Überführung von Gedächnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächnis. Wird der Hippocampus (es gibt genau genommen zwei, einen pro Hirnhälfte) entfernt oder zerstört, können keine neuen Erinnerungen geformt werden und es tritt eine anterograde (nach vorne gerichtete) Amnesie auf. Alte Erinnerungen bleiben jedoch erhalten. Der Hippocampus ist also eine Struktur, die Erinnerungen generiert, während die eigentlichen Gedächtnisinhalte an verschiedenen anderen Stellen in der Großhirnrinde gespeichert werden Der Hippocampus lernt &#8222;online“ zum Zeitpunkt der Informationsaufnahme, aber später, wenn der Hippocampus &#8222;offline&#8220; ist, werden die gespeicherten Inhalte wieder &#8222;abgespielt“ und so in die Grosshirnrinde überführt und gefestigt. Dabei findet eine sogenannte Langzeitpotenzierung statt: Neue Erinnerungen werden durch neugebildete, relativ labile synaptische Netzwerke aus Nervenzellen (neuronale Netzwerke) repräsentiert. Die Theta-Wellen des Hippocampus festigen nun die synaptischen Verbindungen innerhalb dieser neuronalen Netzwerke und damit auch die neuen Erinnerungen. Die Theta-Wellen bewirken Veränderungen innerhalb der Synapsen, die langfristig anhalten. Es wurde darrüber hinaus inzwischen nachgewiesen, dass sich im Hippocampus -sogar des erwachsenen Gehirns &#8211; neue Synapsen zwischen bestehenden Nervenzellen bilden können (synaptische Plastizität)und dass diese Neubildung ebenfalls mit dem Erwerb neuer Gedächnisinhalte im Zusammenhang steht.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/gehirn-limbsyst.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-38" title="gehirn-limbsyst" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/gehirn-limbsyst.jpg?w=604" alt=""   /></a></strong></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Querschnitt durch das menschliche Gehirn Quelle: </em><a href="http://home.arcor.de/eberhard.liss/"><em>http://home.arcor.de/eberhard.liss/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Der Hippocampus ist auch für die Koordinierung verschiedener Gedächtnisinhalte zuständig sowie für die räumliche Orientierung. Jonathan Winson begründet seine Traumtheorie mit Tierexperimenten, in denen festgestellt wurde, daß der Theta-Rhythmus immer nur dann auftaucht, wenn die Tiere neue Erfahrungen machen. Dieses wurde in Tierexperimenten nachgewiesen, so beispielsweise zuletzt bei Versuchen mit Ratten durch eine Arbeitsgruppe an der Universität Heidelberg unter Prof. Dr. Andreas Draguhn im Institut für Physiologie und Pathophysiologie:</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/brown-rat.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-39" title="brown-rat" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/brown-rat.jpg?w=604" alt=""   /></a><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/hippocampus.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-40" title="hippocampus" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/hippocampus.gif?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Die Ratte und ihr Hippocampus. Quellen: </em><a href="http://www.noblepest.com/rodents.html"><em>http://www.noblepest.com/rodents.html</em></a><em>  und Wikipedia</em></p>
<p style="text-align:justify;">Der Hippocampus der Ratten (aber auch der aller anderen untersuchten Säugetiere einschliesslich des Menschen!) enthält pyramidenförmige Ortszellen (&#8222;place cells“), die immer dann elektrische Aktionspotentiale erzeugen, wenn sich das Tier an jeweils einem bestimmten Ort im Raum aufhält. Die Ortszellen sind mit dem angrenzenden Schläfenlappen (Temporallappen) verschaltet. Dort befindet sich das visuelle Arbeitsgedächtnis (working memory), wo alles, was gerade wahrgenommen wurde, kurzzeitig gespeichert wird (Sekunden bis Minuten) und auch ein Vergleich mit den nachfolgenden Wahrnehmungsinhalten stattfindet. Die Eingänge aus diesem Arbeitsgedächtnis sind so mit den Ortszellen des Hippocampus verdrahtet, daß sie von einer bestimmten Konstellation von Sinneseindrücken besonders stark aktiviert werden. Wenn eine Ratte also in einer ihr unbekannten Umgebung (Terrain, &#8222;place field“) umherläuft, werden an bestimmten Orten bestimmte Nervenzellen elektrisch aktiv. Die Aktionspotentiale der Ortszellen erfolgen nicht ungeordnet, sondern stehen in enger Beziehung zu der Theta-Schwingung (Theta-Rhythmus, hier 5-10 Hz) im Hippocampus. Bei ihrem Weg durch die unbekannte Umgebung fallen die Aktionspotenziale der jeweils angesprochenen Ortszellen in immer frühere Phasen des Theta-Zyklus, bis sie schliesslich nach Verlassen des zugehörigen Feldes nicht mehr elektrisch aktiviert werden (&#8222;Phasen-Präzession&#8220;). Durch diesen „Phasen-Code“ entstehen automatisch Abfolgen (Sequenzen) von Aktionspotenzialen, die es erlauben, den Weg zu verfolgen, den die Ratte in der ihr unbekannten Umgebung zurückgelegt hat. Wenn die Ratte nach so einem &#8222;Ausflug“ schläft, wiederholt sie während der REM-Phasen exakt dieselbe Abfolge von Aktionspotenzialen in ihrem Hippocampus. Sie wiederholt also im Schlaf das elektrische Aktivitätsmuster, das im wachen Zustand während der Erkundung der unbekannten Umgebung entstanden ist.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/s22u.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-41" title="s22u" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/s22u.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Phasenkodierung von räumlichen Informationen: Wenn eine Ratte ein bestimmtes Areal erkundet, werden nacheinander bestimmte Zellen ihre Hippocampus aktiv (durch Farben markiert). Die Ortszellen lösen Aktionspotenziale aus, die mit dem Theta-Rhythmus (schwarze Sinuskurve) in Beziehung stehen. Sie entstehen zunächst in späten Phasen der Schwingung, rücken beim Durchlaufen des „place field“ aber in immer frühere Phasen. Die nächste Gruppe von Ortszellen beginnt wieder in der späten Phase, wenn die Ratte in deren Ortsfeld einwandert. Dadurch entsteht automatisch eine Reihenfolge der Aktionspotentiale (farbige Striche), die den Weg der Ratte kodiert. Quelle: </em><a href="http://www.uni-heidelberg.de/"><em>http://www.uni-heidelberg.de/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;">Diese Wiederholung erfolgt wieder in Beziehung zu einer Art Theta-Rhythmus, der aber viel schneller ist (200 Hz!). Alles läuft sozusagen in komprimierter Form ab. Durch diese hochfrequenten, kurzen Wellen (&#8222;ripples“) werden anscheinend die Erinnerungen aus dem Hippocampus ausgelesen und dann in der Grosshirnrinde langfristig abgespeichert. Interessanterweise erfolgt die Übertragung der Aktionspotentiale von einer Nervenzelle auf die nächste hierbei nicht wie gewöhnlich durch Synapsen mit Neurotransmittern, sondern direkt von Zelle zu Zelle über elektrische Synapsen, was natürlich viel schneller geht. Nur so kann ein derart schneller Rhythmus überhaupt bewältigt werden. Wenn man diejenigen Nervenzellen im Stammhirn zerstört, welche normalerweise im Schlaf die Bewegungen der Gliedmaßen verhindern, führen die Versuchstiere immer dann, wenn die beschleunigten Theta-Rhythmen (&#8222;ripples“) im REM-Schlaf auftreten, Bewegungen ähnlich wie bei der im Wachzustand stattgefundenen Erkundungstour aus. Es sieht tatsächlich so aus, als ob die Tiere alles im Traum wiedererleben. Ähnliche Beobachtungen lassen sich gelegentlich auch bei den eigenen Haustieren, vor allem bei Hund und Katze machen, denn nicht immer funktioniert die Hemmung aus dem Stammhirn 100%ig. Die Träume werden dann offensichtlich ausagiert. Im Traum gehen die Tiere das im Wachzustand neu Erlebte noch einmal durch, verknüpfen es mit den bisherigen Erinnerungen und Verhaltensweisen und lernen auf diese Weise dazu. In den Träumen werden also die grundlegenden &#8222;Lebensstrategien“ durchgespielt und aufgrund neuer Erfahrungen weiterentwickelt. Für Jonathan Winson ist diese Fähigkeit zu träumen die biologische Grundlage des von Sigmund Freud (1856-1939) erforschten Unbewussten! Freud lag laut Winson also schon völlig richtig, als er die Träume den &#8222;Königsweg zum Unbewussten“ nannte.</p>
<p style="text-align:justify;"> <a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/s23u.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-42" title="s23u" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/s23u.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Normalerweise sind viele Nervenzellen des Hippocampus in ungeordneter Weise aktiv. Während der &#8222;ripples&#8220; werden die meisten Nervenzellen gehemmt, so dass sich die wenigen Informationsträger (die elektrisch aktiven Ortszellen) nun deutlich von der Gesamtaktivität abheben und ihre &#8222;Erinnerungen“ in Form des Phasencodes an die Grosshirnrinde weitergeben. Quelle: </em><a href="http://www.uni-heidelberg.de/"><em>http://www.uni-heidelberg.de/</em></a></p>
<p style="text-align:justify;"> Die meisten Säugetiere und Vögel haben einen REM-Schlaf. Die primitivsten Säugetiere jedoch, zu denen der in Australien lebende, noch eierlegende Ameisenigel gehört, kennen keinen REM-Schlaf und auch keine Träume. Auch der Theta-Rhythmus kommt nur im Wachzustand vor, fehlt während des Schlafs aber völlig. Der präfrontale Cortex, ein Teil der Großhirnrinde auf der Stirnseite, ist beim Ameisenigel im Vergleich zu anderen Säugetieren und sogar dem Menschen deutlich überdimensioniert, wenn man seine Grösse auf das gesamte Gehirn bezieht. Da die Fähigkeit zu Träumen fehlt, müssen beim Ameisenigel Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung gleichzeitig stattfinden und das erfordert einen sehr grossen präfrontalen Cortex. Eine Weiterentwicklung hin zu mehr Intelligenz war so nicht möglich, denn der Kopf wäre dadurch einfach zu schwer geworden.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/wild_shortbeak_echidna.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-43" title="wild_shortbeak_echidna" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/wild_shortbeak_echidna.jpg?w=720&#038;h=480" alt="" width="720" height="480" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Der Ameisenigel, ein urtümliches Säugetier legt noch Eier Quelle: Wikipedia</em></p>
<p style="text-align:justify;">Erst durch die Arbeitsteilung &#8211; Erleben im Wachzustand und Verarbeitung des Erlebten im Schlaf während des Träumens – war eine Weiterentwicklung zu höherer Intelligenz möglich. Der präfrontale Cortex konnte so ohne weiteres Wachstum seine erweiterten Aufgaben bewältigen. Andere Regionen des Gehirns hatten dafür die Möglichkeit zu wachsen und sich so weiterzuentwickeln, ohne dass der Kopf dabei zu schwer wurde. Damit war der Weg frei für eine Evolution in Richtung höherer Intelligenz!</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Quellen: Jonathan Winson, Auf dem Boden der Träume : Die Biologie des Unbewussten Beltz &amp; Gelberg Verlag, 1986 &#8222;Swinging in the Brain“ von Prof. Dr. Andreas Draguhn, Institut für Physiologie und Pathophysiologie, Universität Heidelberg, <a href="http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca04-03/s18swing.html">http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca04-03/s18swing.html</a></p>
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		<title>Triebe machen Träume &#8211; Ein Gespräch mit dem Neuropsychologen Mark Solms</title>
		<link>http://neuropsychoanalyse.wordpress.com/2007/12/20/triebe-machen-traume-ein-gesprach-mit-dem-neuropsychologen-mark-solms/</link>
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		<pubDate>Thu, 20 Dec 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Psychoanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Traumforschung herrscht Tumult, und Schuld daran hat Mark Solms. Der Londoner Neuropsychologe hat nachgewiesen, dass an der jahrzehntelang heruntergebeteten Formel „Traumschlaf gleich REM-Schlaf“ etwas faul sein muss. Nun schickt sich der Hirnforscher an, die lange Zeit als widerlegt angesehene Traumlehre Sigmund Freuds zu rehabilitieren.  PSYCHOLOGIE HEUTE  Dr. Solms, warum träumen wir? MARK SOLMS  [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=9&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>In der Traumforschung herrscht Tumult, und Schuld daran hat Mark Solms. Der Londoner Neuropsychologe hat nachgewiesen, dass an der jahrzehntelang heruntergebeteten Formel „Traumschlaf gleich REM-Schlaf“ etwas faul sein muss. Nun schickt sich der Hirnforscher an, die lange Zeit als widerlegt angesehene Traumlehre Sigmund Freuds zu rehabilitieren. </strong></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Dr. Solms, warum träumen wir?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Das ist noch immer ein grosses Geheimnis. Ich fürchte, auch 100 Jahre nach Freuds Buch Traumdeutung und beinahe 50 Jahre nach der Entdeckung des REM-Schlafes haben wir noch keine überzeugende Antwort auf die Frage, warum wir träumen. Aber wir haben erste Antworten auf die Frage, wie wir träumen. Und diese neuen Forschungen über das Wie werden uns hoffentlich auch bald Einblicke in das Warum geben.</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://bp2.blogger.com/_bxjJMggXetE/R-AzRI-0KnI/AAAAAAAABVs/5QZoLztkwzw/s1600-h/solms.png"><img src="http://bp2.blogger.com/_bxjJMggXetE/R-AzRI-0KnI/AAAAAAAABVs/5QZoLztkwzw/s400/solms.png" alt="" border="0" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Mark Solms (Neuropsychoanylytiker)</em></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Sigmund Freud glaubte vor 100 Jahren, Antworten auf das Warum gefunden zu haben. Seiner Theorie nach dienen Träume der Erfüllung unterdrückter Wünsche, meist sexueller Natur. Aber ein halbes Jahrhundert später stellte die Forschung fest, dass wir nicht die ganze Nacht hindurch, sondern vor allem in ganz bestimmten Phasen des Schlafes träumen, den so genannten REM-Phasen. Diese Phasen, so stellte sich heraus, wiederholen sich in einem monotonen Rhythmus von etwa 90 Minuten und werden vom Hirnstamm, einer sehr primitiven Region, ausgelöst: Alle 90 Minuten schickt der Hirnstamm eine blinde Aktivierungssalve ans Grosshirn hinauf. Träume, so schien es, sind nichts als die subjektive Seite dieser nächtlichen Mobilmachung; das Gehirn versucht, sich einen Reim darauf zu machen und &#8222;übersetzt“ das Zufallsgeknatter seiner Nervenzellen in Bilder und Szenen, die nichts, aber auch gar nichts zu „bedeuten“ haben. War Freuds Traumlehre damit tot?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Es schien so. Einige Psychoanalytiker machten Rettungsversuche, indem sie etwa argumentierten, dass die &#8222;aufsteigende“ REM-Erregung doch womöglich dem instinkthaften Trieb in Freuds Theorie entsprechen könnte. Aber dieses Argument war schwach, denn jene Region des Hirnstamms, in der der REM-Schlaf ausgelöst wird, hat nach allem, was wir wissen, nicht das Geringste mit Wünschen, Trieben oder instinkthaftem Drang zu tun. Im Gegenteil: Acetylcholin, der Hirnbotenstoff, der in dieser Region ausgeschüttet wird, macht das Großhirn nicht &#8222;triebhafter“, sondern eher rationaler, kälter und fokussierter. Als die physiologischen Mechanismen, die dem REM-Schlaf zugrunde liegen, in den sechziger und siebziger Jahren nach und nach entschlüsselt wurden, sah es in der Tat sehr düster aus für Freuds Traumtheorie.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Und jetzt hat sich das Blatt gewendet?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Ja, und zwar dramatisch. Es begann damit, dass Probleme mit der REM-Theorie des Traums auftauchten. Man stellte fest, dass Menschen nicht ausschliesslich während ihrer REM-Phasen, sondern auch in den anderen Stadien des Schlafs träumen. 20 bis 25 Prozent der Träume ereignen sich ausserhalb des REM-Schlafs. Zunächst versuchten die Forscher, diese Non-REM-Träume wegzudeuten. Sie sagten, dies seien in Wirklichkeit Träume der letzten REM-Phase, an die sich die Versuchspersonen im anschließenden Schlafstadium noch erinnern. Dieses Argument erwies sich jedoch als unhaltbar. Traumberichte erhält man nämlich auch dann, wenn man Versuchspersonen unmittelbar nach dem Einschlafen weckt – also vor der ersten REM-Phase. Es besteht heute kein Zweifel mehr daran, dass wir auch außerhalb des REM-Schlafs jede Menge echter Träume erleben. Es kann also nicht stimmen, dass REM die physiologische Basis des Träumens darstellt.Die überzeugendsten Belege gegen die REM-Theorie des Träumens liefern jetzt neurologische Befunde: Werden bei einem Menschen – zum Beispiel durch einen Schlaganfall – jene Teile des Gehirns zerstört, die den REM-Schlaf auslösen, so führt dies eben nicht zu einem Verlust des Traumerlebens. Die Betreffenden haben keinen REM-Schlaf mehr, aber sie haben weiterhin Träume. Werden hingegen bestimmte andere Regionen des Gehirns zerstört, die nichts mit dem REM-Schlaf zu tun haben, so verliert der Patient die Fähigkeit zu träumen. Bei diesen Patienten bleiben trotz des Traumverlustes die REM-Schlafphasen intakt. REM-Schlaf ist folglich nicht gleichbedeutend mit Traumschlaf.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>REM ist also nicht der Schalter, der in unserem Hirn die Träume anknipst?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Doch, ein Schalter schon, ein Schalter. REM ist der bekannteste von mehreren Auslösern, aber eben nicht die physiologische Basis des Träumens. Das ist ein gewaltiger Unterschied. REM könnte ein Mechanismus sein, der das Traumgeschehen anstösst – aber man kann auch ohne diesen REM-Anstoss träumen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Sie haben nun auch andere Hirnregionen entdeckt, die entscheidend zum Träumen beitragen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS</strong>   Mehr noch: Die beiden Hirnareale, die wir nun im Blick haben, tragen nicht nur zum Träumen bei, sondern sie machen die Träume; in diesen Regionen beobachten wir das treibende physiologische Geschehen, das dem Träumen zugrunde liegt. Beide Regionen liegen nicht in &#8222;primitiven“, sondern in &#8222;höheren“ Regionen des Gehirns.Das erste Traumareal befindet sich knapp über den Ohren, im Übergangsbereich zwischen dem Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptslappen des Gehirns. Dieser Bezirk hat mit Raumwahrnehmung und räumlichem Vorstellungsvermögen zu tun – was nicht sehr überraschend ist, denn wie wir alle wissen, sind Träume ja aus räumlichen Vorstellungsbildern zusammengesetzt. Das zweite Traumareal des Gehirns ist da schon interessanter. Es handelt sich um den so genannten ventromesialen Bereich des Frontalhirns, direkt hinter den Augen gelegen. Hier, in der &#8222;weissen Substanz“ des Gehirns, verlaufen die Leitungsbahnen jener Nervenzellen, die unmittelbar mit dem Träumen zu tun haben müssen. Wenn man deren Aktivität chemisch stimuliert (indem man L-Dopa verabreicht, einen Vorläufer des Hirnbotenstoffes Dopamin, Red.), steigt die Häufigkeit und Intensität von Träumen. Nun weiss man aus der Hirnforschung, dass dieser Bereich des Frontalhirns mit einer spezifischen Form von Motivation zu tun hat. Man bezeichnet dieses Areal als das Such-, Erwartungs- oder Bedürfnissystem des Gehirns. In Tierexperimenten hat man festgestellt, dass dieses System Lebewesen veranlasst, in ihrer Umwelt nach einem Objekt zu suchen, das ihre momentanen Bedürfnisse befriedigt. Dieses System ist zum Beispiel aktiv, wenn ein Süchtiger verzweifelt nach einer Zigarette, einem Schluck Alkohol oder einem Schuss Ausschau hält. Es steuert unser Verhalten, wenn wir hungrig, durstig oder sexuell erregt sind, also wenn wir etwas brauchen, nach dem wir in der Welt Ausschau halten. Und genau dieses Motivationssystem ist auch während unserer Träume aktiv.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Was passiert mit Hirnverletzten, bei denen dieses Motivationssystem ausgefallen ist?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Sie entwickeln ein Syndrom namens adynamia, eine massive Antriebslosigkeit. Alle Patienten, die ihre Traumfähigkeit verloren haben, leiden an diesem Syndrom. Diese Menschen sind zwar fähig, alles auszuführen, was man ihnen aufträgt. Wenn man den Patienten also bittet: &#8222;Mister Jones, würden Sie bitte eine Kanne Tee kochen“, dann steht er auf und macht Tee. Aber von sich aus tut er nichts, er sitzt bewegungslos auf seinem Platz.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Ein Verlust der Träume scheint also mit einem Verlust von Antrieb gekoppelt zu sein. Ist jene Region im Stirnhirn, in der Sie den Traumgenerator vermuten, demnach der Hort jenes Triebes, den Freud &#8222;Libido“ nannte?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Nun, zumindest widersprechen die genannten neuropsychologischen Befunde nicht Freuds Theorie, sondern sie sind kompatibel mit ihr. Ich glaube zwar nicht, dass alles, was Freud unter Libido verstanden hat, auf dieses Hirnareal zurückzuführen ist. Viele andere Teile des Gehirns haben ebenfalls mit der Suche nach Lust, sexueller Stimulation und Ähnlichem zu tun, hinzu kommen Hormon- und Peptidsysteme. Das Motivationssystem des Frontalhirns könnte einen sehr spezifischen Teil von Freuds Libido repräsentieren, nämlich die Suche nach einem Objekt zur Triebabfuhr. Dieses System umfasst nicht den Drang oder Trieb selbst, sondern den Suchmechanismus, der zur Befriedigung dieses Triebes aktiviert wird. Zum Beispiel kanalisiert dieses System den Jagdtrieb hungriger Raubtiere, indem die Umwelt nach potenzieller Beute abgetastet wird.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Hinter der Stirn sitzt also eine Art Dirigent der Libido?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>So könnte man es sehen. Einen solchen Mechanismus beschrieb Freud bereits 1895 in seinem Entwurf einer Psychologie. Dort führte er den Begriff &#8222;spezifische Aktion“ ein: Menschen und andere Lebewesen müssen im Lauf ihrer Entwicklung lernen, in der Umwelt ganz bestimmte Objekte ausfindig zu machen, die in der Lage sind, ihre Triebe zu befriedigen. Die Triebe selbst sind unspezifisch.(Freud beschrieb in diesem frühen, stark neurophysiologisch inspirierten Aufsatz die &#8222;spezifische Aktion“ als eine aktive Form der Erregungsabfuhr – um seine Erregung loszuwerden, muss der Mensch handeln und in der Umwelt bestimmte Bedingungen suchen oder schaffen: &#8222;Reizaufhebung ist hier nur möglich durch einen Eingriff, … und dieser Eingriff erfordert eine Veränderung in der Außenwelt (Nahrungszufuhr, Nähe des Sexualobjektes), welche als spezifische Aktion nur auf bestimmten Wegen erfolgen kann. Der menschliche Organismus ist zunächst unfähig, die spezifische Aktion herbeizuführen. Sie erfolgt durch fremde Hilfe, indem … ein erfahrenes Individuum auf den Zustand des Kindes aufmerksam gemacht wird. Diese Abfuhrbahn gewinnt so die höchst wichtige Sekundärfunktion der Verständigung, und die anfängliche Hilflosigkeit eines Menschen ist die Urquelle aller moralischen Motive.“ – Red.)</p>
<p style="text-align:justify;"> <a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/freud.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-23" title="freud" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/freud.jpg?w=604" alt="" /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Sigmund Freud (1856-1939)</em></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Allan Hobson, der bekannteste Urheber der Theorie vom Traum als subjektives Zufallsprodukt des REM-Schlafs, gesteht ein, dass diese Theorie korrigiert und erweitert werden muss. Er stimmt zu, dass die jüngsten Forschungsarbeiten von Ihnen und anderen Wissenschaftlern in der Tat zeigen, dass beim Träumen auch höhere Gehirnregionen eine wichtige Rolle spielen, die mit der Verarbeitung von Motiven zu tun haben. Aber das, meint Hobson, heiße noch lange nicht, dass nun Freuds Lehre bestätigt sei, wonach Träumen dem symbolischen Erfüllen von Wünschen und Bedürfnissen diene. Denn &#8222;Motivation“ sei doch wohl ein komplexerer Vorgang als &#8222;Wunscherfüllung“.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Er hat Recht, wenn er sagt: Die neuen Forschungsarbeiten beweisen nicht, dass Freud richtig lag. Sie können auch auf andere Weise und mit anderen Theorien interpretiert werden. Hobson hat auch Recht, dass Freuds &#8222;Wunscherfüllung“ nicht der einzige Typ von Motivation ist. Hobson spekuliert nun seinerseits, dass Träumen vielleicht dem Austesten von Instinktmechanismen dient; es sei biologisch sinnnvoll für Organismen, diese Instinktmechanismen durch nächtliche Probeläufe funktionsfähig zu halten. Das könnte stimmen.Aber es könnte auch stimmen, dass Freud Recht hatte, denn die neuen Befunde &#8222;passen“ in seine Theorie. In den fünfziger und sechziger Jahren, als die damaligen Ergebnisse der Traumforschung Freuds Theorie zu widersprechen schienen, riefen viele Forscher: &#8222;Freud ist widerlegt.“ Nun, da die Forschungsergebnisse in Einklang mit Freud stehen, sagen dieselben Forscher: &#8222;Warum sollten wir dies ausgerechnet mit Freuds 100 Jahre alter Theorie erklären?“ Freuds Theorie wird also nur dann hervorgezogen, wenn die Fakten gegen sie sprechen. Wäre es nicht fair, stattdessen zu sagen: &#8222;Wir hatten uns damals geirrt, und Freud ist nicht widerlegt“? Die Forschung muss sich nun daranmachen, die unterschiedlichen Hypothesen zur Funktion des Träumens – darunter auch jene von Freud – zu überprüfen, um zu sehen, welche der Wahrheit am nächsten kommt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Eine dieser Hypothesen hat es zu einiger Popularität gebracht. Sie besagt, dass Träume dem Festigen von Gedächtnisspuren dienen könnten: Die Erlebnisse des Tages würden im Traum rekapituliert, und das Erinnernswerte werde ins Langzeitgedächtnis überführt, während Belangloses gelöscht werde.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Diese Theorie hat zurzeit einen schweren Stand, denn sie stützt sich auf die Annahme, dass Traumschlaf gleich REM-Schlaf sei. Die Forscher hinderten Versuchspersonen oder -tiere daran, in den REM-Schlaf zu fallen, und stellten danach bestimmte Gedächtnisausfälle fest. Aber nun zeigt sich eben, dass REM-Schlaf nicht gleichbedeutend mit Traumschlaf ist. Sicher: Die REM-Phasen müssen eine bedeutende Funktion für den Organismus haben, die wir noch nicht kennen – aber wir wissen nun, dass REM-Schlaf und Träumen unterschiedliche Funktionen haben. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Träumen die Funktion hat, Gedächtnisspuren zu festigen. Patienten, die ihre Traumfähigkeit verloren haben, zeigen nämlich völlig ungestörte Gedächtnisleistungen. Ihr Gedächtnis ist nicht schlechter als das von Personen, die nachts normal träumen.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Es wäre aber doch möglich, dass nachts tatsächlich Gedächtnisspuren gefestigt werden – zwar nicht in den Träumen, aber doch im REM-Schlaf.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Das wäre zwar denkbar, aber auch dies wird neuerdings von Forschern bezweifelt.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Was würde Freud wohl sagen, wenn er von den Aufsehen erregenden neuen Erkenntnissen der neuropsychologischen Traumforschung hörte?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Freud war durchaus interessiert an Hirnforschung, und er hütete sich, seinen Kollegen etwa zu raten: &#8222;Studiert nicht das Gehirn, studiert die Psyche!“ Doch zu Freuds Lebzeiten waren die Methoden der Hirnforschung noch nicht sehr fortgeschritten – man konnte damals tatsächlich nur sehr wenig über die Psyche erfahren, indem man das Gehirn studierte. Dies hat sich durch die neuen bildgebenden Verfahren gründlich geändert, mit denen man präzise am lebenden Menschen beobachten kann, was im Gehirn vor sich geht und welche Strukturen bei einem Patienten verletzt sind.Ich glaube, Freud würde die neuen Ergebnisse der Neurowissenschaften mit offenen Armen empfangen. Freud war zwar skeptisch, was die Möglichkeiten der Hirnforschung seiner Zeit anging. Aber er sagte voraus, dass eine Zeit kommen werde, in der die Psyche auch aus der Perspektive der Neurowissenschaften Erfolg versprechend untersucht werden könne und müsse.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>PSYCHOLOGIE HEUTE  </strong>Vielen der heutigen Psychoanalytiker scheint die Hirnforschung aber nicht recht geheuer zu sein. Sie sagen, die Psyche sei zu kompliziert, als dass sie sich mit solchen &#8222;reduktionistischen“ Methoden untersuchen liesse.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>MARK SOLMS  </strong>Jede Methode hat ihre Grenzen. Es gibt viele Fragen, die sich mit PET-Aufnahmen des Gehirns am besten beantworten lassen, und bei anderen Fragen sind andere Zugangswege vielversprechender. Auch die psychoanalytische Methode hat neben ihren Stärken enorme Schwachstellen. Wenn wir in der Traumforschung – und in der Psychologie insgesamt – Fortschritte machen wollen, dann müssen wir alle verfügbaren Methoden zurate ziehen.</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Mit Mark Solms sprach Thomas Saum-Aldehoff<br />
Mark Solms, Jahrgang 1961, ist Neuropsychologe und Psychoanalytiker und arbeitet an der St. Bartholomew’s &amp; Royal London School of Medicine. Dort analysierte er unter anderem Fallstudien von Hirnverletzten. Er wies nach, dass nicht der REM-Schlaf, sondern andere, &#8222;höhere“ Vorgänge im Gehirn das physiologische Geschehen bestimmen, das dem Träumen zugrunde liegt.</em></p>
<p style="text-align:justify;">Quelle:<br />
Psychologie Heute 03/2000, Seite 30 Rubrik: Traumforschung,<br />
(online unter <a href="http://www.psychologie-heute.de/">http://www.psychologie-heute.de/</a>)</p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/9/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=9&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Freud, die Psychoanalyse und der Ödipuskomplex</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Dec 2007 21:20:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Psychoanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Psychoanalyse wurde durch den Wiener Nervenarzt Sigmund Freud (6. Mai 1856 &#8211; 23. September 1939) zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und revolutionierte die Psychologie. Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 als ältester Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Jacob Freud und dessen Ehefrau Amalia (geb. Nathanson) in Freiberg (heute: Tschechien)geboren,das damals zu Östereich-Ungarn (Donaumonarchie) gehörte). [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=82&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;" align="left"><strong>Die Psychoanalyse wurde durch den Wiener Nervenarzt Sigmund Freud (6. Mai 1856 &#8211; 23. September 1939) zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und revolutionierte die Psychologie.</strong></p>
<p style="text-align:justify;" align="left">Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 als ältester Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Jacob Freud und dessen Ehefrau Amalia (geb. Nathanson) in Freiberg (heute: Tschechien)geboren,das damals zu Östereich-Ungarn (Donaumonarchie) gehörte). 1860 zog die Familie nach Wien um, wo Freud zunächst an der Universität Medizin studierte (1873-1881), um dann als Neurologe am Wiener Physiologischen Institut zu forschen. Nach seiner Promotion in Medizin, arbeitete er von 1882-1885 am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Nach seiner Habilitation in Neuropathologie war er ab 1885 Dozent an der Wiener Universität und beschäftigte sich mit hirnanatomischen Forschungen. Bei einem Gastaufenthalt an der Pariser Nervenklinik Salpêtrière erlebte Frauen mit seelischen Erkrankungen ohne erkennbare organische Veränderungen, die der Leiter der Klinik,Jean-Martin Charcot (1825-1893) mit Hypnose behandelte und damit die Symptome vorübergehend zum Verschwinden brachte. Freud war sehr beeindruckt und entwickelte in den folgenden Jahren als praktizierender Nervenarzt eigene Theorien über die Ursachen psychischer Erkrankungen. Danach sind verdrängte traumatische Erfahrungen die eigentliche Ursache seelischer Erkrankungen. Mit der Technik der freien Assoziation (s.u.) lassen sich die verdrängten Inhalte wieder ins Bewusstsein zurückrrufen und so viele seelische Erkrankungen heilen (Psychoanalyse). Von 1895-1905 arbeitete Freud die Psychoanalyse zu einer geschlossenen Theorie aus (1897: Ödipus-Komplex,1900: Traumdeutung, 1901: Fehlleistungen, 1905: Sexualtheorie). 1902 wird Freud Professor für Neuropathologie an der Wiener Universität. Freud hatte die Hoffnung, die Psychoanalyse auch neurobiologisch begründen zu können, doch der seinerzeitige Stand der Technik liess das einfach noch nicht zu, denn es fehlten die Instrumente für eine genauere Untersuchung der physiologischen Vorgänge in Gehirn und Nervensystem.</p>
<p style="text-align:justify;" align="left">In den Folgejahren gründete Freud eine Internationale Psychoanalytische Vereinigung, um seine Theorien zu verbreiten und weiterzuentwickeln. Immer wieder kam es zu inhaltlichen Auseinandersetzungen und Abspaltungen, wobei es zumeist um die Rolle der kindlichen Sexualität und den Ödipuskomplex ging. In den Jahren 1923-1930 entwickelte Freud seine Theorie des psychischen Apparates mit den 3 Instanzen ICH, ES und ÜBERICH (s.u.). Nach dem Anschluss Österrichs an das Deutsche Reich (1938) musste Freud vor der Judenverfolgung der Nationalsozialisten fliehen und zog mit seiner Familie nach London (Grossbritannien) um, wo er am 23. September 1939 einer langjährigen Krebserkrankung erlag.</p>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;">Freud definierte die Psychoanalyse einmal so: </span></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Psychoanalyse ist der Name eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind; <span style="color:#000000;">einer Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich auf diese Untersuchung gründet; </span><span style="color:#000000;">und eine Reihe von psychologischen, auf solchem Wege gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen.</span></em></p>
<p style="text-align:justify;" align="left">Kaum zugänglich sind seelische Vorgänge dann, wenn sie unbewusst stattfinden. Unbewusst werden seeliche Vorgänge durch die innerpsychische Verdrängung, zu der es immer dann kommt, wenn zwei oder mehrere Kognitionen (Gedanken, Meinungen, Wünsche, Einstellungen, (logische) Schlussfolgerungen) derart zueinander in Widerspruch stehen, dass sich daraus ein (schmerzlicher) seelischer Konflikt entwickelt. Verdrängt werden stets die schwächeren Kognitionen. Gemeinsam bilden sie dann das  Unbewusste. Ein innerpsychischer Widerstand sorgt dafür, dass die verdrängten Kognitionen nicht  mehr so ohne weiteres in das Bewusstsein dringen können.</p>
<p style="text-align:justify;" align="left"><span style="color:#000000;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/sigmund_feud.jpg"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-49" title="sigmund_feud" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/sigmund_feud.jpg?w=604" alt=""   /></strong></a></span></p>
<p style="text-align:justify;" align="left"><span style="color:#000000;"><em>Sigmund Freud (1856-1939) Quelle: Wikipedia</em></span></p>
<p style="text-align:justify;" align="left"><span style="color:#000000;">Der die Verdrängung auslösende seelische Konflikt ist damit aber nicht entgültig aufgelöst, denn das Unbewusste kann weiterhin unterschwellig auf das Bewusstsein einwirken, besonders dann, wenn aktuelle Wahrnehmingen und Gedanken irgendwie an die verdrängten Vorstellungen erinnern.  </span></p>
<p style="text-align:justify;" align="left"><span style="color:#000000;">Die Folge sind Fehlleistungen (Freudsche Versprecher, vorübergehende Erinnerungsblockaden, Verlegen und Verlieren von Gegenständen usw.), aber auch ernsthafte seelische Störungen, die Neurosen. Auch in den Träumen tauchen die verdrängten Kognitionen häufig in entstellter oder symbolisierter Form wieder auf.</span></p>
<p style="text-align:justify;" align="left"><span style="color:#000000;">Besonders in der Kindheit, in einer Situation der Schwäche gegenüber  Erwachsenen, aber auch gegenüber älteren Geschwistern ist die Verdrängung oft der einzige Ausweg, um schwer erträgliche Konflikte zu umgehen. Verdrängt werden fast immer v</span><span style="color:#000000;">erbotene Wünsche und (bedrohliche) Bewusstseinsinhalte, die sich aus dem Versuch der kindlichen Selbstbehauptung und aus der frühkindlichen Sexualität ergeben.</span></p>
<p style="text-align:justify;" align="left"><span style="color:#000000;">Das bekannteste Beispiel ist der Ödipuskomplex. Mit diesem Begriff bezog sich Freud auf die tragische Geschichte der griechischen Sagengestalt Ödipus. Dieser wird von seinem Vater, König Laios von Theben, infolge einer Prophezeiung, dass sein Sohn ihn dereinst töten werde, mit Zustimmung seiner Mutter Jokaste in der Wildnis ausgesetzt. Ödipus wird jedoch gerettet und wächst bei Pflegeeltern auf, ohne jemals irgendetwas über seine Herkunft zu erfahren. Bei einer Zufallsbegegnung, die in einem heftigen Streit endet, tötet Ödipus einen unbekannten Mann, ohne zu ahnen,dass es sein Vater ist, der König von Theben. Als er nur wenig später die Stadt Theben von der drachenähnlichen Sphinx befreit, darf er zur Belohnung die immer noch sehr schöne, verwitwete Jokaste zur Ehefrau nehmen. Als neuer König von Theben versucht Ödipus den Tod seines Vorgängers aufzuklären. Dabei erfährt er schliesslich die ganze Wahrheit. Aus Verzweiflung blendet er seine Augen und flieht als gebrochener Mann ins Exil. Damit fügt er sich selbst die fällige Strafe für den unerlaubten Inzest zu. </span></p>
<p style="text-align:justify;" align="left"><span style="color:#000000;">Zu einer ähnlichen Konstellation wie in der Ödipussage kommt es nun auch in der Kindheit. Nach dem Erwachen der frühkindlichen Sexualität, in der sogenannten ödipalen Phase entwickelt sich ein sexuelles Begehren gegenüber dem gegengeschlechtlichen Elternteil, was jedoch automatisch in einen Konflikt mit dem (übermächtigen) gleichgeschlechtlichen Elternteil führt. Die sexuellen Wunschvorstellungen und die damit einhergehenden negativen Gefühle gegenüber dem gleichgeschlechtlichen, rivalisierenden Elternteil sind mit grosser Angst besetzt und werden daher meist verdrängt. An die Stelle des Aufbegehrens tritt die Unterwerfung und schliesslich die Identifikation.Der gleichgeschlechtliche Elternteil wird zum Vorbild für die eigene Entwicklung. Dieses Verhalten wird später auf andere mächtige (auch fiktive) Figuren (politische, militärische oder religiöse Führer, Gottheiten) und Institutionen (Staat, Militär, Kirche) übertragen. Vor allem bei Männern ist der Ödipuskomplex sehr stark ausgeprägt. </span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;">Die Psychoanalyse versucht nun bei neurotischen Störungen, die verdrängten Inhalte wieder ins Bewusstsein zurückzurufen, um so den Betroffenen wieder einen ungestörten Lebensgenuss zu ermöglichen! </span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;">Dazu bedient sich die Psychoanalyse der Methode der freien Assoziation. Ausgehend von Fehlleistungen und Träumen wird die zu analysierende Person (Analysand) aufgefordert, alle damit für ihn in Zusammenhang stehenden, spontanen Einfälle (Assoziationen) dem Analytiker unzensiert mitzuteilen, also unabhängig davon, ob ihr diese Einfälle unsinnig, unpassend oder gar anstössig erscheinen. Mit dieser psychoanalytischen Grundregel soll der innerpsychische Widerstand gegen die Bewusstwerdung verdrängter Vorstellungen überlistet werden, denn die freien Assoziationen bilden  mit wachsender Anzahl eine immer deutlicher erkennbare, netzwerkartige Struktur sinnvoller Zusammenhänge, denn die spontanen Einfälle  sind nicht zufällig, sondern gehorchen dem Prinzip von Ursache und Wirkung (Kausalitätsprinzip). </span></p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/7bb4d085606456fac3036463c5a6d53b_image_document_large_featured_borderless.jpg"><strong><img class="alignnone size-full wp-image-59" title="FREUD MUSEUM PSCYOANALYSIS COUCH" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/7bb4d085606456fac3036463c5a6d53b_image_document_large_featured_borderless.jpg?w=604" alt=""   /></strong></a></p>
<div style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;"><em>Ein wertvolles Arbeitsinstrument zur Förderung der freien Assoziationen bei der Psychoanalyse&#8230;  (Sigmund Freud Museum, London) Quelle: AP</em></span></div>
<div style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;"><strong> </strong></span></div>
<div style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;">Im Verlauf der Psychoanalyse kommt es oft zu einer sogenannten Übertragung, bei der verdrängte Gefühle gegenüber Bezugspersonen aus der Kindheit (Erwachsene, Geschwister) unbewusst auf den Analytiker umgelenkt werden.</span></div>
<div style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;"> </span></div>
<div style="text-align:justify;"><span style="color:#000000;">Analytiker und Analysand deuten gemeinsam, unter Zuhilfenahme der freien Assoziationen und der Übertragung den inneren Sinnzusammenhang, wodurch die verdrängten Inhalte wieder bewusst gemacht werden. </span></div>
<p style="text-align:justify;">Freud entwickelte aus seinen psychoanalytischen Erfahrungen ein dynamisches Drei-Instanzen-Modell  der menschlichen Persönlichkeit:</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/freud_650.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-58" title="freud_650" src="http://neuropsychoanalyse.files.wordpress.com/2008/09/freud_650.jpg?w=604" alt=""   /></a></p>
<p style="text-align:justify;"><em>Persönlichkeitsmodell nach Freud: Das bewusste ICH bringt Wünsche mit den zunächst durch das vorbewusste Wahrnehmungsbewusstsein (W-Bw) wahrgenommenen, danach aber bewusst werdende Realitäten soweit irgend möglich in Übereinstimmung. Das ÜBERICH entspringt dem verinnerlichten ( angsteinflössend geäusserten) Gegenwillen der übermächtigen Erwachsenen (oder älteren Geschwister), welcher den Wünschen und Vorstellungen des Kindes oft entgegensteht und so deren Verdrängung ins unbewusste ES erzwingt. Das ÜBERICH darf  aber nicht mit dem Gewissen verwechselt werden, da letzteres ein wichtiger Bestandteil des bewussten ICH ist und wahrscheinlich auf der Fähigkeit beruht, sich in Andere hineinzuversetzen und mitzufühlen (Spiegelneuronen). Quelle: Sigmund Freud Studienausgabe, Fischer-Tachenbuch-Verlag , Frankfurt (2000)</em></p>
<p style="text-align:justify;">Im  Zusammenhang mit seinem Persönlichkeitsmodell formulierte Freud das Ziel einer Psychoanalyse einmal so: <em>Wo ES war, soll ICH werden! </em></p>
<p style="text-align:justify;">Das kann aber nur durch Aufhebung (im Sinne von Überwindung bei gleichzeitiger Bewahrung und Fortentwicklung der wertvollen Anteile!) des ÜBERICH gelingen, so dass ICH und ES ununterscheidbar werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Quellen: Sigmund Freud: Darstellungen der Psychoanalyse, Fischer-Taschenbuch und Wikipedia</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></p>
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		<title>Kognitionen und Kognitive Dissonanz</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2007 21:32:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jenschristianheuer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter Kognitionen versteht man innerpsychische Vorgänge wie Gedanken, Meinungen, Wünsche, Einstellungen und (logische) Schlussfolgerungen. Wenn zwei oder auch mehrere Kognitionen zueinander in Widerspruch stehen, kommt es zu einer Dissonanz (&#8222;Missklang&#8220;). Diese Kognitive Dissonanz (KD) erzeugt eine innere Spannung, die unangenehme Gefühle verursacht und deshalb nach Auflösung verlangt (Kognitive Dissonanz Reduktion KDR). Die Kognitive Dissonanz Reduktion gelingt entweder, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=85&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Unter Kognitionen versteht man innerpsychische Vorgänge wie Gedanken, Meinungen, Wünsche, Einstellungen und (logische) Schlussfolgerungen.</p>
<p style="text-align:justify;">Wenn zwei oder auch mehrere Kognitionen zueinander in Widerspruch stehen, kommt es zu einer Dissonanz (&#8222;Missklang&#8220;). Diese Kognitive Dissonanz (KD) erzeugt eine innere Spannung, die unangenehme Gefühle verursacht und deshalb nach Auflösung verlangt (Kognitive Dissonanz Reduktion KDR). Die Kognitive Dissonanz Reduktion gelingt entweder, indem schwächere Kognitionen geändert oder verdrängt werden, oder aber neue konsonante (&#8222;wohlklingende&#8220;) Kognitionen hinzukommen.</p>
<p style="text-align:justify;">Schwache Kognitionen haben nur wenige oder gar keine konsonanten Beziehungen zu anderen Kognitionen, wohingegen starke Kognitionen in einem stabilen konsonanten Beziehungsgeflecht stehen. Vollendete Handlungen sind immer mit starken Kognitionen verbunden, insbesondere dann, wenn sich diese Handlungen nicht mehr rückgängig machen lassen.<br />
Die Kognitive Dissonanz Reduktion entspricht weitgehend der von der Sigmund Freud entdeckten Verdrängung.</p>
<p style="text-align:justify;">Literatur: &#8222;Theorie der kognitiven Dissonanz&#8220; von Leon Festinger,1978</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Jens Christian Heuer</strong></p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/neuropsychoanalyse.wordpress.com/85/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=neuropsychoanalyse.wordpress.com&amp;blog=4842804&amp;post=85&amp;subd=neuropsychoanalyse&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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