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Verdrängung und Gehirnforschung

In Moderne Psychoanalyse, Neurophysiologie, Psychologie am 17.April. 2009 um 23:37

Der innerpsychische Vorgang der Verdrängung ist die entscheidende Voraussetzung des Unbewussten und damit auch der Psychoanalyse, die der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London)begründete. Neue Forschungen beweisen nun eindeutig, dass die Verdrängung tatsächlich existiert.

Seit es die Psychoanalyse gibt, werden von ihren Gegnern ihre zentralen Konzepte in Frage gestellt. Das gilt auch für die Verdrängung, deren Existenz trotz aller Belege aus den freien Assoziationen analysierter Personen, immer wieder abgestritten wird. Da es ohne Verdrängung auch kein Unbewusstes im psychoanalytischen Sinne gibt, steht und fällt der Wahrheitsgehalt der Psychoanalyse mit dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer innerpsychischen Verdrängung.

Der amerikanische Psychologe Michael C. Anderson und seine Mitarbeiter an der University of Oregon konnten den Vorgang der Verdrängung mit einer ausgeklügelten Versuchsanordnung nun erstmals experimentell direkt nachweisen und darüber hinaus auch noch die Hirnstrukturen identifizieren, welche daran beteiligt sind.

Die Versuchspersonen lernten in einer Trainingsphase zunächst  Wortpaare auswendig, die in keinerlei Zusammenhang zueinander standen, wie zum Beispiel “Roach” (Kakerlake)  und “Ordeal” (Prüfung). Anschliessend wurde in einer weiteren Versuchsrunde (Think – No Think Phase)  jeweils immer nur eines der beiden erlernten Worte einige Sekunden lang dargeboten. Bei dem ersten Drittel der Wortpaare wurden die Versuchspersonen aufgefordert, intensiv an das andere dazugehörige Wort zu denken (Respond). Bei dem zweiten Drittel sollten die Versuchspersonen gerade nicht an das dazugehörige Wort denken (Suppression). Das letzte Drittel diente als Kontrolle. Es wurde gar kein Wort gezeigt und auch keine Aufgabe gestellt (Baseline). Während der Think – No Think Phase wurden ausserdem auch noch die Hirnaktivitäten der Versuchspersonen gescannt.

In der abschliessenden Testphase wurden die Versuchspersonen gebeten, sich wieder an die vollständigen Wortpaare zu erinnern (Same Probe).

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Der Versuchablauf am Beispiel der 3 Wortpaare Ordeal- Roach (Prüfung-Kakerlake), Steam-Train (Dampf-Eisenbahn), Jaw-Gum (Kiefer-Kaugummi) mit den Kategorien Insect (Insekt), Vehicle (Fahrzeug), Candy (Süssigkeit) Quelle: “Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories” in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 09. 01. 2004).

Dabei zeigte sich, dass die Worte, an die sich die Versuchspersonen nicht erinnern sollten, tatsächlich schlechter oder gar nicht mehr erinnerbar waren, auch dann wenn für die richtige Antwort Geld geboten wurde. Durch mehrfache Durchführung der Think-No Think Phase konnte der Effekt verstärkt werden.

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Das Endergebnis mehrerer Versuchsdurchläufe zeigt das Verdrängung tatsächlich funktioniert. Quelle: “Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories” in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 09. 01. 2004).

Dasselbe passierte auch dann, als in einer weiteren Versuchsreihe (Independent Probe) auf die betroffenen Worte hinweisende Kategorie und zusätzlich sogar noch der Anfangsbuchstabe dargeboten wurde.

Damit war bewiesen, dass die Worte aktiv verdrängt und nicht etwa nur durch alternative Wortassoziationen überlagert oder einfach verlernt worden waren.

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Die übereinstimmenden Versuchsergebnisse bei den Erinnerungstests mit trainierten Wortpaaren  und bei den Gegenproben mit passenden  Kategorien und dem ersten Buchstaben des zu erinnernden Wortes zeigen, das die vergessenen Worte tatsächlich aktiv verdrängt (3) und nicht etwa durch alternative Assoziationen überlagert (1) oder ihre Verknüpfung einfach verlernt wurde (2). Quelle: “Suppressing unwanted memories by executive control” in Nature (Bd. 410, Ausgabe vom 15.01.2001).

Mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens, das die Stoffwechselaktivitäten in den verschiedenen Hirnregionen sichtbar macht, konnten die Wissenschaftler für die Verdrängung charakteristische Veränderungen im Gehirn ausmachen. Während die Aktivitäten in bestimmten Regionen des Präfrontalen Cortex (PFC, vordere Hirnrinde) zunahmen, gingen sie im Hippocampus (HC) deutlich zurück.

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Mit Hilfe eines fMRI-Scans (fMRI=funktionelle Magnetresonanztomographie) konnte auch die Areale lokalisiert werden, die an der Verdrängung beteiligt sind: Bestimmte Regionen im präfrontalen Cortex mit Kontrollfunktionen zeigen eine gesteigerte Aktivität, während der  für das bewusste (deklarative) Gedächtnis zuständige Hippocampus eine verringerte Aktivität aufweist. Das bewusste Erinnern wird sozusagen von oben blockiert. Quelle: “Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories” in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 9. 01. 2004).

Der hinter der Stirn befindliche Präfrontale Cortex (PFC) ist das oberste Zentrum der Handlungskontrolle und sorgt dafür, dass die  Handlungsweisen der jeweiligen Situation angemessen sind. Die bei der Verdrängung aktivierten Bereiche sind auch bei dem (plötzlichen ) Abbruch von Körperbewegungen tätig.  Anderson nennt dafür ein sehr anschauliches Beispiel: Eine Person bemerkt, wie eine Pflanze von einer Fensterbank zu fallen droht und setzt dazu an, diese noch aufzufangen, merkt dann aber im letzten Moment, dass es sich bei der Pflanze um einen Kaktus mit vielen Stacheln handelt und bricht dann gedankenschnell die Rettungsaktion ab.

Der Hippocampus, eine paarweise angelegte, in der Form an ein Seepferdchen erinnernde  Struktur (daher der Name) organisiert das bewusstseinsfähige (deklarative) Gedächtnis, indem er die Gedächtnisinhalte den entsprechenden Hirnrindenarealen (Assoziationsfeldern) zuweist. Der Hippocampus ist die entscheidende Hirnregion für die Bildung des Langzeitgedächtnisses, für die räumliche Orientierung und das räumliche Gedächtnis, sowie für den Abruf  gespreicherter Erinnerungen.

Bei der Verdrängung blockieren offenbar die aktivierten Regionen des Präfrontalen Cortex “von oben” den Hippocampus und erschweren so den Abruf von ansonsten bewusstseinsfähigen Gedächtnisinhalten. Verdrängung ist also ein aktiver Prozess und damit etwas ganz anderes als einfaches Vergessen. Genauso hatte das auch schon Sigmund Freud gesehen.

Ein Mass für die Stärke der Verdrängung haben Anderson und seine Kollegen womöglich auch schon gefunden. Es soll in der Stärke der Aktivierung eines bestimmten Teils des Präfrontalen Cortex bestehen, die bei dem Versuch gemessen wurde, die Erinnerung an bestimmte Worte bewusst zu unterdrücken.

Quellen: Michael C. Anderson und Kollegen: “Suppressing unwanted memories by executive control” in Nature (Bd. 410, Ausgabe vom 15.01.2001) und  Neural Systems Underlying the Suppression of Unwanted Memories” in Science (Bd. 303, Ausgabe vom 09. 01. 2004), Wikipedia

Jens Christian Heuer

Verwandter Artikel: Freud, die Psychoanalyse und der Ödipuskomplex

Träume und die Biologie des Unbewussten

In Moderne Psychoanalyse, Neurophysiologie am 21.Februar. 2008 um 22:15

Träume spielen eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisbildung, verknüpfen alte und neue Gedächtnisinhalte miteinander und helfen so bei der Entwicklung neuer Handlungs- und Überlebenstrategien. So lautet die schon aus dem Jahre 1986 stammende Traumtheorie des amerikanischen Neuropsychologen Jonathan Winson. Diese ist nach wie vor aktuell, denn bis in die jüngste Zeit wurden hauptsächlich durch Versuche mit Tieren immer wieder eindeutige Indizien gefunden, die diese Theorie über die Träume unterstützen.

Träume sind Erlebnisse im Schlaf und treten überwiegend während der REM- Phasen auf. Während dieser REM-Phasen ist der Schlaf nur leicht und es finden schnelle Augenbewegungen (rapid eye movements REM) statt REM-Phasen und Tiefschlafphasen wechseln während einer Nacht mehrmals einander ab.

Die Schlafphasen Quelle: http://www.schlaf.de/

Das Nervensystem und das Gehirn bestehen aus einem dichten Netzwerk einzelner, auf extrem komplexe Weise verschalteter Nervenzellen (Neurone). Eine Nervenzelle kann bis zu 10000 Kontaktstellen (Synapsen) haben.

Nervenzellen können elektrische Impulse erzeugen und weiterleiten. Sie empfangen elektrische Signale mit ihren Dendriten von anderen vorgeschalteten Neuronen und leiten sie über den Zellkörper und das sich oft auch verzweigende Axon an weitere nachgeschaltete Neuronen weiter. Die Weitergabe der Signale einer Nervenzelle an nachgeschaltete Nervenzellen erfolgt chemisch über Kontaktstellen (Synapsen) durch Signalstoffe (Neurotransmitter). Diese werden von der Nervenzelle hergestellt, in kleinen Bläschen (Vesikeln) gespeichert und bei Eintreffen eines elektrischen Impulses von den Synapsen ausgeschüttet. Über kleine Zwischenräume (synaptischer Spalt) erreichen die Neurotransmitter sehr schnell nachgeschaltete Nervenzellen und lösen dort neue elektrische Impulse (Aktionspotentiale) aus. Nach Gebrauch werden die Neurotransmitter entweder durch enzymatischen Abbau oder durch Wiederaufnahme in die Synapsen rasch inaktiviert, so dass eine erneute Signalübertragung möglich wird. Neben den Nervenzellen die elektrische Impulse auslösen, gibt es auch solche, deren Synapsen Neurotransmitter enthalten, die bei Ausschüttung die elektrische Erregbarkeit nachgeschalteter Nervenzellen hemmen (inhibitorische Neurone). Diese hemmenden Nervenzellen sind ausserordentlich wichtig, weil im Nervensystem die Aktivierung eines Prozesses in den allermeisten Fällen die Inaktivierung eines anderen (konkurrierenden) Prozesses erfordert.

Nervenzelle (Neuron) Quelle: http://home.arcor.de/ralf.sitter/kyb/neuro/neuro1.htm

Es gibt neben den chemischen auch elektrische Synapsen, wo der Strom über direkten Kontakt mit der nachgeschalteten Nervenzelle weitergeleitet wird (s.u.). Eine typische Nervenzelle ist also mit Tausenden von erregenden und hemmenden Synapsen verbunden, und immer wieder fällt eine neue “Entscheidung“ darüber, ob ein neues Aktionspotenzial ausgelöst wird oder eben nicht. Auf diesen fortwährenden “Entscheidungsprozessen” beruht die Informationsverarbeitung in Gehirn und Nervensystem. Das “Alles-oder-Nichts-Prinzip“ bei den Aktionspotenzialen erfordert eine einfache Form der Kodierung von Information, die “Frequenzkodierung”: Wenn eine Nervenzelle nur schwach erregt wird, bilden sich pro Zeiteinheit weniger Aktionspotenziale aus, als bei starker Erregung. Wenn man beispielsweise sanft berührt wird, entstehen in den entsprechenden Hautnerven weniger Aktionspotenziale als wenn man fest gekniffen wird. Auf diese Weise kommt es zu einer abgestuften Wahrnehmung. Die Nervenzellen des Gehirns erzeugen schwache elektrische Ströme, die mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) sichtbar gemacht werden können. In Abhängigkeit vom Bewusstseinszustand treten verschiedene Schwingungsmuster auf. Im Tiefschlaf sind es die langen, niederfrequenten Deltawellen (< 4 Hz), im Wachzustand bei geschlossenen Augen herrschen die deutlich kürzeren Alphawellen (8-13 Hz) vor, und beim Öffnen der Augen bricht der Alpha-Rhythmus zusammen und wird durch ein noch schneller schwingendes Aktivitätsmuster, die hochfrequenten Betawellen (14-60 Hz) ersetzt., welche für komplexe Wahrnehmungen typisch sind. Wenn der Schlaf gestört wird, etwa durch ein ungewohntes Geräusch, verschwinden im Hirnstrombild die langsamen Delta-Wellen und der Schlaf wird kurzzeitig unterbrochen. Doch auch ohne Störung von aussen verschwinden die Deltawellen zwischenzeitlich und zwar immer während einer REM-Phase. Wie im Wachzustand bei erhöhter Aufmerksamkeit dominieren die Betawellen.

Das Gehirn arbeitet stets in elektrischen Rhythmen. Dadurch laufen alle Vorgänge im Gehirn geordnet ab. Das lässt sich am Besten anhand eines Ruderbootes veranschaulichen. Bei einem Vierer-Rennboot beispielsweise, kommt das Boot nur dann voran, wenn alle im gleichen Rhythmus rudern. Ansonsten kommen sich die einzelnen Ruderer mit ihren Rudern ins Gehege und nichts geht mehr.

Nur wenn alle Ruderer des Vierers mit Steuermann im selben Rhythmus sind kommt das Boot voran. Quelle: http://www.rish.de/bootskunde.html

Auch die Gedächtnisbildung ist mit einem bestimmten Rhythmus verbunden. Die Thetawellen (5-10 Hz) kommen im Wachzustand, aber auch in den REM-Phasen des Schlafes vor und werden im Hippocampus, der Schaltzentrale des limbischen Systems erzeugt. Das limbische System dient der Verarbeitung von Gefühlen, ist aber auch zu echten Denkleistungen fähig. Im Hippocampus fliessen Informationen verschiedener sensorischer Systeme (Sinnesorgane) zusammen, die verarbeitet und von dort zur Grosshirnrinde (Cortex) zurückgesandt werden. In der Grosshirnrinde, die besonders viele Nervenzellen enthält, befinden sich die Zentren der Sensorik (Sinnesorgane), Motorik (willkürliche Bewegungen) und der Motivation. Auch alle höheren Denkleistungen finden hier statt.

Netzwerke von Nervenzellen in der Grosshirnrinde (Neocortex): Die “Schaltkreise” sind von einer beinahe unübersehbaren Komplexität. Trotzden lässt sich der säulenförmige Aufbau der Grosshirnrinde erkennen. Die rot angefärbten Nervenzellen sind Pyramidenzellen. Quelle: http://www.coloradocollege.edu/

Der Hippocampus bewirkt die Konsolidierung des Gedächtnisses, also die Überführung von Gedächnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächnis. Wird der Hippocampus (es gibt genau genommen zwei, einen pro Hirnhälfte) entfernt oder zerstört, können keine neuen Erinnerungen geformt werden und es tritt eine anterograde (nach vorne gerichtete) Amnesie auf. Alte Erinnerungen bleiben jedoch erhalten. Der Hippocampus ist also eine Struktur, die Erinnerungen generiert, während die eigentlichen Gedächtnisinhalte an verschiedenen anderen Stellen in der Großhirnrinde gespeichert werden Der Hippocampus lernt “online“ zum Zeitpunkt der Informationsaufnahme, aber später, wenn der Hippocampus “offline” ist, werden die gespeicherten Inhalte wieder “abgespielt“ und so in die Grosshirnrinde überführt und gefestigt. Dabei findet eine sogenannte Langzeitpotenzierung statt: Neue Erinnerungen werden durch neugebildete, relativ labile synaptische Netzwerke aus Nervenzellen (neuronale Netzwerke) repräsentiert. Die Theta-Wellen des Hippocampus festigen nun die synaptischen Verbindungen innerhalb dieser neuronalen Netzwerke und damit auch die neuen Erinnerungen. Die Theta-Wellen bewirken Veränderungen innerhalb der Synapsen, die langfristig anhalten. Es wurde darrüber hinaus inzwischen nachgewiesen, dass sich im Hippocampus -sogar des erwachsenen Gehirns – neue Synapsen zwischen bestehenden Nervenzellen bilden können (synaptische Plastizität)und dass diese Neubildung ebenfalls mit dem Erwerb neuer Gedächnisinhalte im Zusammenhang steht.

Querschnitt durch das menschliche Gehirn Quelle: http://home.arcor.de/eberhard.liss/

Der Hippocampus ist auch für die Koordinierung verschiedener Gedächtnisinhalte zuständig sowie für die räumliche Orientierung. Jonathan Winson begründet seine Traumtheorie mit Tierexperimenten, in denen festgestellt wurde, daß der Theta-Rhythmus immer nur dann auftaucht, wenn die Tiere neue Erfahrungen machen. Dieses wurde in Tierexperimenten nachgewiesen, so beispielsweise zuletzt bei Versuchen mit Ratten durch eine Arbeitsgruppe an der Universität Heidelberg unter Prof. Dr. Andreas Draguhn im Institut für Physiologie und Pathophysiologie:

Die Ratte und ihr Hippocampus. Quellen: http://www.noblepest.com/rodents.html  und Wikipedia

Der Hippocampus der Ratten (aber auch der aller anderen untersuchten Säugetiere einschliesslich des Menschen!) enthält pyramidenförmige Ortszellen (“place cells“), die immer dann elektrische Aktionspotentiale erzeugen, wenn sich das Tier an jeweils einem bestimmten Ort im Raum aufhält. Die Ortszellen sind mit dem angrenzenden Schläfenlappen (Temporallappen) verschaltet. Dort befindet sich das visuelle Arbeitsgedächtnis (working memory), wo alles, was gerade wahrgenommen wurde, kurzzeitig gespeichert wird (Sekunden bis Minuten) und auch ein Vergleich mit den nachfolgenden Wahrnehmungsinhalten stattfindet. Die Eingänge aus diesem Arbeitsgedächtnis sind so mit den Ortszellen des Hippocampus verdrahtet, daß sie von einer bestimmten Konstellation von Sinneseindrücken besonders stark aktiviert werden. Wenn eine Ratte also in einer ihr unbekannten Umgebung (Terrain, “place field“) umherläuft, werden an bestimmten Orten bestimmte Nervenzellen elektrisch aktiv. Die Aktionspotentiale der Ortszellen erfolgen nicht ungeordnet, sondern stehen in enger Beziehung zu der Theta-Schwingung (Theta-Rhythmus, hier 5-10 Hz) im Hippocampus. Bei ihrem Weg durch die unbekannte Umgebung fallen die Aktionspotenziale der jeweils angesprochenen Ortszellen in immer frühere Phasen des Theta-Zyklus, bis sie schliesslich nach Verlassen des zugehörigen Feldes nicht mehr elektrisch aktiviert werden (“Phasen-Präzession”). Durch diesen „Phasen-Code“ entstehen automatisch Abfolgen (Sequenzen) von Aktionspotenzialen, die es erlauben, den Weg zu verfolgen, den die Ratte in der ihr unbekannten Umgebung zurückgelegt hat. Wenn die Ratte nach so einem “Ausflug“ schläft, wiederholt sie während der REM-Phasen exakt dieselbe Abfolge von Aktionspotenzialen in ihrem Hippocampus. Sie wiederholt also im Schlaf das elektrische Aktivitätsmuster, das im wachen Zustand während der Erkundung der unbekannten Umgebung entstanden ist.

Phasenkodierung von räumlichen Informationen: Wenn eine Ratte ein bestimmtes Areal erkundet, werden nacheinander bestimmte Zellen ihre Hippocampus aktiv (durch Farben markiert). Die Ortszellen lösen Aktionspotenziale aus, die mit dem Theta-Rhythmus (schwarze Sinuskurve) in Beziehung stehen. Sie entstehen zunächst in späten Phasen der Schwingung, rücken beim Durchlaufen des „place field“ aber in immer frühere Phasen. Die nächste Gruppe von Ortszellen beginnt wieder in der späten Phase, wenn die Ratte in deren Ortsfeld einwandert. Dadurch entsteht automatisch eine Reihenfolge der Aktionspotentiale (farbige Striche), die den Weg der Ratte kodiert. Quelle: http://www.uni-heidelberg.de/

Diese Wiederholung erfolgt wieder in Beziehung zu einer Art Theta-Rhythmus, der aber viel schneller ist (200 Hz!). Alles läuft sozusagen in komprimierter Form ab. Durch diese hochfrequenten, kurzen Wellen (“ripples“) werden anscheinend die Erinnerungen aus dem Hippocampus ausgelesen und dann in der Grosshirnrinde langfristig abgespeichert. Interessanterweise erfolgt die Übertragung der Aktionspotentiale von einer Nervenzelle auf die nächste hierbei nicht wie gewöhnlich durch Synapsen mit Neurotransmittern, sondern direkt von Zelle zu Zelle über elektrische Synapsen, was natürlich viel schneller geht. Nur so kann ein derart schneller Rhythmus überhaupt bewältigt werden. Wenn man diejenigen Nervenzellen im Stammhirn zerstört, welche normalerweise im Schlaf die Bewegungen der Gliedmaßen verhindern, führen die Versuchstiere immer dann, wenn die beschleunigten Theta-Rhythmen (“ripples“) im REM-Schlaf auftreten, Bewegungen ähnlich wie bei der im Wachzustand stattgefundenen Erkundungstour aus. Es sieht tatsächlich so aus, als ob die Tiere alles im Traum wiedererleben. Ähnliche Beobachtungen lassen sich gelegentlich auch bei den eigenen Haustieren, vor allem bei Hund und Katze machen, denn nicht immer funktioniert die Hemmung aus dem Stammhirn 100%ig. Die Träume werden dann offensichtlich ausagiert. Im Traum gehen die Tiere das im Wachzustand neu Erlebte noch einmal durch, verknüpfen es mit den bisherigen Erinnerungen und Verhaltensweisen und lernen auf diese Weise dazu. In den Träumen werden also die grundlegenden “Lebensstrategien“ durchgespielt und aufgrund neuer Erfahrungen weiterentwickelt. Für Jonathan Winson ist diese Fähigkeit zu träumen die biologische Grundlage des von Sigmund Freud (1856-1939) erforschten Unbewussten! Freud lag laut Winson also schon völlig richtig, als er die Träume den “Königsweg zum Unbewussten“ nannte.

 

Normalerweise sind viele Nervenzellen des Hippocampus in ungeordneter Weise aktiv. Während der “ripples” werden die meisten Nervenzellen gehemmt, so dass sich die wenigen Informationsträger (die elektrisch aktiven Ortszellen) nun deutlich von der Gesamtaktivität abheben und ihre “Erinnerungen“ in Form des Phasencodes an die Grosshirnrinde weitergeben. Quelle: http://www.uni-heidelberg.de/

 Die meisten Säugetiere und Vögel haben einen REM-Schlaf. Die primitivsten Säugetiere jedoch, zu denen der in Australien lebende, noch eierlegende Ameisenigel gehört, kennen keinen REM-Schlaf und auch keine Träume. Auch der Theta-Rhythmus kommt nur im Wachzustand vor, fehlt während des Schlafs aber völlig. Der präfrontale Cortex, ein Teil der Großhirnrinde auf der Stirnseite, ist beim Ameisenigel im Vergleich zu anderen Säugetieren und sogar dem Menschen deutlich überdimensioniert, wenn man seine Grösse auf das gesamte Gehirn bezieht. Da die Fähigkeit zu Träumen fehlt, müssen beim Ameisenigel Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung gleichzeitig stattfinden und das erfordert einen sehr grossen präfrontalen Cortex. Eine Weiterentwicklung hin zu mehr Intelligenz war so nicht möglich, denn der Kopf wäre dadurch einfach zu schwer geworden.

Der Ameisenigel, ein urtümliches Säugetier legt noch Eier Quelle: Wikipedia

Erst durch die Arbeitsteilung – Erleben im Wachzustand und Verarbeitung des Erlebten im Schlaf während des Träumens – war eine Weiterentwicklung zu höherer Intelligenz möglich. Der präfrontale Cortex konnte so ohne weiteres Wachstum seine erweiterten Aufgaben bewältigen. Andere Regionen des Gehirns hatten dafür die Möglichkeit zu wachsen und sich so weiterzuentwickeln, ohne dass der Kopf dabei zu schwer wurde. Damit war der Weg frei für eine Evolution in Richtung höherer Intelligenz!

Jens Christian Heuer

Quellen: Jonathan Winson, Auf dem Boden der Träume : Die Biologie des Unbewussten Beltz & Gelberg Verlag, 1986 “Swinging in the Brain“ von Prof. Dr. Andreas Draguhn, Institut für Physiologie und Pathophysiologie, Universität Heidelberg, http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca04-03/s18swing.html

Triebe machen Träume – Ein Gespräch mit dem Neuropsychologen Mark Solms

In Moderne Psychoanalyse am 20.Dezember. 2007 um 22:00

In der Traumforschung herrscht Tumult, und Schuld daran hat Mark Solms. Der Londoner Neuropsychologe hat nachgewiesen, dass an der jahrzehntelang heruntergebeteten Formel „Traumschlaf gleich REM-Schlaf“ etwas faul sein muss. Nun schickt sich der Hirnforscher an, die lange Zeit als widerlegt angesehene Traumlehre Sigmund Freuds zu rehabilitieren. 

PSYCHOLOGIE HEUTE  Dr. Solms, warum träumen wir?

MARK SOLMS  Das ist noch immer ein grosses Geheimnis. Ich fürchte, auch 100 Jahre nach Freuds Buch Traumdeutung und beinahe 50 Jahre nach der Entdeckung des REM-Schlafes haben wir noch keine überzeugende Antwort auf die Frage, warum wir träumen. Aber wir haben erste Antworten auf die Frage, wie wir träumen. Und diese neuen Forschungen über das Wie werden uns hoffentlich auch bald Einblicke in das Warum geben.

Mark Solms (Neuropsychoanylytiker)

PSYCHOLOGIE HEUTE  Sigmund Freud glaubte vor 100 Jahren, Antworten auf das Warum gefunden zu haben. Seiner Theorie nach dienen Träume der Erfüllung unterdrückter Wünsche, meist sexueller Natur. Aber ein halbes Jahrhundert später stellte die Forschung fest, dass wir nicht die ganze Nacht hindurch, sondern vor allem in ganz bestimmten Phasen des Schlafes träumen, den so genannten REM-Phasen. Diese Phasen, so stellte sich heraus, wiederholen sich in einem monotonen Rhythmus von etwa 90 Minuten und werden vom Hirnstamm, einer sehr primitiven Region, ausgelöst: Alle 90 Minuten schickt der Hirnstamm eine blinde Aktivierungssalve ans Grosshirn hinauf. Träume, so schien es, sind nichts als die subjektive Seite dieser nächtlichen Mobilmachung; das Gehirn versucht, sich einen Reim darauf zu machen und “übersetzt“ das Zufallsgeknatter seiner Nervenzellen in Bilder und Szenen, die nichts, aber auch gar nichts zu „bedeuten“ haben. War Freuds Traumlehre damit tot?

MARK SOLMS  Es schien so. Einige Psychoanalytiker machten Rettungsversuche, indem sie etwa argumentierten, dass die “aufsteigende“ REM-Erregung doch womöglich dem instinkthaften Trieb in Freuds Theorie entsprechen könnte. Aber dieses Argument war schwach, denn jene Region des Hirnstamms, in der der REM-Schlaf ausgelöst wird, hat nach allem, was wir wissen, nicht das Geringste mit Wünschen, Trieben oder instinkthaftem Drang zu tun. Im Gegenteil: Acetylcholin, der Hirnbotenstoff, der in dieser Region ausgeschüttet wird, macht das Großhirn nicht “triebhafter“, sondern eher rationaler, kälter und fokussierter. Als die physiologischen Mechanismen, die dem REM-Schlaf zugrunde liegen, in den sechziger und siebziger Jahren nach und nach entschlüsselt wurden, sah es in der Tat sehr düster aus für Freuds Traumtheorie.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Und jetzt hat sich das Blatt gewendet?

MARK SOLMS  Ja, und zwar dramatisch. Es begann damit, dass Probleme mit der REM-Theorie des Traums auftauchten. Man stellte fest, dass Menschen nicht ausschliesslich während ihrer REM-Phasen, sondern auch in den anderen Stadien des Schlafs träumen. 20 bis 25 Prozent der Träume ereignen sich ausserhalb des REM-Schlafs. Zunächst versuchten die Forscher, diese Non-REM-Träume wegzudeuten. Sie sagten, dies seien in Wirklichkeit Träume der letzten REM-Phase, an die sich die Versuchspersonen im anschließenden Schlafstadium noch erinnern. Dieses Argument erwies sich jedoch als unhaltbar. Traumberichte erhält man nämlich auch dann, wenn man Versuchspersonen unmittelbar nach dem Einschlafen weckt – also vor der ersten REM-Phase. Es besteht heute kein Zweifel mehr daran, dass wir auch außerhalb des REM-Schlafs jede Menge echter Träume erleben. Es kann also nicht stimmen, dass REM die physiologische Basis des Träumens darstellt.Die überzeugendsten Belege gegen die REM-Theorie des Träumens liefern jetzt neurologische Befunde: Werden bei einem Menschen – zum Beispiel durch einen Schlaganfall – jene Teile des Gehirns zerstört, die den REM-Schlaf auslösen, so führt dies eben nicht zu einem Verlust des Traumerlebens. Die Betreffenden haben keinen REM-Schlaf mehr, aber sie haben weiterhin Träume. Werden hingegen bestimmte andere Regionen des Gehirns zerstört, die nichts mit dem REM-Schlaf zu tun haben, so verliert der Patient die Fähigkeit zu träumen. Bei diesen Patienten bleiben trotz des Traumverlustes die REM-Schlafphasen intakt. REM-Schlaf ist folglich nicht gleichbedeutend mit Traumschlaf.

PSYCHOLOGIE HEUTE  REM ist also nicht der Schalter, der in unserem Hirn die Träume anknipst?

MARK SOLMS  Doch, ein Schalter schon, ein Schalter. REM ist der bekannteste von mehreren Auslösern, aber eben nicht die physiologische Basis des Träumens. Das ist ein gewaltiger Unterschied. REM könnte ein Mechanismus sein, der das Traumgeschehen anstösst – aber man kann auch ohne diesen REM-Anstoss träumen.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Sie haben nun auch andere Hirnregionen entdeckt, die entscheidend zum Träumen beitragen.

MARK SOLMS   Mehr noch: Die beiden Hirnareale, die wir nun im Blick haben, tragen nicht nur zum Träumen bei, sondern sie machen die Träume; in diesen Regionen beobachten wir das treibende physiologische Geschehen, das dem Träumen zugrunde liegt. Beide Regionen liegen nicht in “primitiven“, sondern in “höheren“ Regionen des Gehirns.Das erste Traumareal befindet sich knapp über den Ohren, im Übergangsbereich zwischen dem Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptslappen des Gehirns. Dieser Bezirk hat mit Raumwahrnehmung und räumlichem Vorstellungsvermögen zu tun – was nicht sehr überraschend ist, denn wie wir alle wissen, sind Träume ja aus räumlichen Vorstellungsbildern zusammengesetzt. Das zweite Traumareal des Gehirns ist da schon interessanter. Es handelt sich um den so genannten ventromesialen Bereich des Frontalhirns, direkt hinter den Augen gelegen. Hier, in der “weissen Substanz“ des Gehirns, verlaufen die Leitungsbahnen jener Nervenzellen, die unmittelbar mit dem Träumen zu tun haben müssen. Wenn man deren Aktivität chemisch stimuliert (indem man L-Dopa verabreicht, einen Vorläufer des Hirnbotenstoffes Dopamin, Red.), steigt die Häufigkeit und Intensität von Träumen. Nun weiss man aus der Hirnforschung, dass dieser Bereich des Frontalhirns mit einer spezifischen Form von Motivation zu tun hat. Man bezeichnet dieses Areal als das Such-, Erwartungs- oder Bedürfnissystem des Gehirns. In Tierexperimenten hat man festgestellt, dass dieses System Lebewesen veranlasst, in ihrer Umwelt nach einem Objekt zu suchen, das ihre momentanen Bedürfnisse befriedigt. Dieses System ist zum Beispiel aktiv, wenn ein Süchtiger verzweifelt nach einer Zigarette, einem Schluck Alkohol oder einem Schuss Ausschau hält. Es steuert unser Verhalten, wenn wir hungrig, durstig oder sexuell erregt sind, also wenn wir etwas brauchen, nach dem wir in der Welt Ausschau halten. Und genau dieses Motivationssystem ist auch während unserer Träume aktiv.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Was passiert mit Hirnverletzten, bei denen dieses Motivationssystem ausgefallen ist?

MARK SOLMS  Sie entwickeln ein Syndrom namens adynamia, eine massive Antriebslosigkeit. Alle Patienten, die ihre Traumfähigkeit verloren haben, leiden an diesem Syndrom. Diese Menschen sind zwar fähig, alles auszuführen, was man ihnen aufträgt. Wenn man den Patienten also bittet: “Mister Jones, würden Sie bitte eine Kanne Tee kochen“, dann steht er auf und macht Tee. Aber von sich aus tut er nichts, er sitzt bewegungslos auf seinem Platz.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Ein Verlust der Träume scheint also mit einem Verlust von Antrieb gekoppelt zu sein. Ist jene Region im Stirnhirn, in der Sie den Traumgenerator vermuten, demnach der Hort jenes Triebes, den Freud “Libido“ nannte?

MARK SOLMS  Nun, zumindest widersprechen die genannten neuropsychologischen Befunde nicht Freuds Theorie, sondern sie sind kompatibel mit ihr. Ich glaube zwar nicht, dass alles, was Freud unter Libido verstanden hat, auf dieses Hirnareal zurückzuführen ist. Viele andere Teile des Gehirns haben ebenfalls mit der Suche nach Lust, sexueller Stimulation und Ähnlichem zu tun, hinzu kommen Hormon- und Peptidsysteme. Das Motivationssystem des Frontalhirns könnte einen sehr spezifischen Teil von Freuds Libido repräsentieren, nämlich die Suche nach einem Objekt zur Triebabfuhr. Dieses System umfasst nicht den Drang oder Trieb selbst, sondern den Suchmechanismus, der zur Befriedigung dieses Triebes aktiviert wird. Zum Beispiel kanalisiert dieses System den Jagdtrieb hungriger Raubtiere, indem die Umwelt nach potenzieller Beute abgetastet wird.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Hinter der Stirn sitzt also eine Art Dirigent der Libido?

MARK SOLMS  So könnte man es sehen. Einen solchen Mechanismus beschrieb Freud bereits 1895 in seinem Entwurf einer Psychologie. Dort führte er den Begriff “spezifische Aktion“ ein: Menschen und andere Lebewesen müssen im Lauf ihrer Entwicklung lernen, in der Umwelt ganz bestimmte Objekte ausfindig zu machen, die in der Lage sind, ihre Triebe zu befriedigen. Die Triebe selbst sind unspezifisch.(Freud beschrieb in diesem frühen, stark neurophysiologisch inspirierten Aufsatz die “spezifische Aktion“ als eine aktive Form der Erregungsabfuhr – um seine Erregung loszuwerden, muss der Mensch handeln und in der Umwelt bestimmte Bedingungen suchen oder schaffen: “Reizaufhebung ist hier nur möglich durch einen Eingriff, … und dieser Eingriff erfordert eine Veränderung in der Außenwelt (Nahrungszufuhr, Nähe des Sexualobjektes), welche als spezifische Aktion nur auf bestimmten Wegen erfolgen kann. Der menschliche Organismus ist zunächst unfähig, die spezifische Aktion herbeizuführen. Sie erfolgt durch fremde Hilfe, indem … ein erfahrenes Individuum auf den Zustand des Kindes aufmerksam gemacht wird. Diese Abfuhrbahn gewinnt so die höchst wichtige Sekundärfunktion der Verständigung, und die anfängliche Hilflosigkeit eines Menschen ist die Urquelle aller moralischen Motive.“ – Red.)

 

Sigmund Freud (1856-1939)

PSYCHOLOGIE HEUTE  Allan Hobson, der bekannteste Urheber der Theorie vom Traum als subjektives Zufallsprodukt des REM-Schlafs, gesteht ein, dass diese Theorie korrigiert und erweitert werden muss. Er stimmt zu, dass die jüngsten Forschungsarbeiten von Ihnen und anderen Wissenschaftlern in der Tat zeigen, dass beim Träumen auch höhere Gehirnregionen eine wichtige Rolle spielen, die mit der Verarbeitung von Motiven zu tun haben. Aber das, meint Hobson, heiße noch lange nicht, dass nun Freuds Lehre bestätigt sei, wonach Träumen dem symbolischen Erfüllen von Wünschen und Bedürfnissen diene. Denn “Motivation“ sei doch wohl ein komplexerer Vorgang als “Wunscherfüllung“.

MARK SOLMS  Er hat Recht, wenn er sagt: Die neuen Forschungsarbeiten beweisen nicht, dass Freud richtig lag. Sie können auch auf andere Weise und mit anderen Theorien interpretiert werden. Hobson hat auch Recht, dass Freuds “Wunscherfüllung“ nicht der einzige Typ von Motivation ist. Hobson spekuliert nun seinerseits, dass Träumen vielleicht dem Austesten von Instinktmechanismen dient; es sei biologisch sinnnvoll für Organismen, diese Instinktmechanismen durch nächtliche Probeläufe funktionsfähig zu halten. Das könnte stimmen.Aber es könnte auch stimmen, dass Freud Recht hatte, denn die neuen Befunde “passen“ in seine Theorie. In den fünfziger und sechziger Jahren, als die damaligen Ergebnisse der Traumforschung Freuds Theorie zu widersprechen schienen, riefen viele Forscher: “Freud ist widerlegt.“ Nun, da die Forschungsergebnisse in Einklang mit Freud stehen, sagen dieselben Forscher: “Warum sollten wir dies ausgerechnet mit Freuds 100 Jahre alter Theorie erklären?“ Freuds Theorie wird also nur dann hervorgezogen, wenn die Fakten gegen sie sprechen. Wäre es nicht fair, stattdessen zu sagen: “Wir hatten uns damals geirrt, und Freud ist nicht widerlegt“? Die Forschung muss sich nun daranmachen, die unterschiedlichen Hypothesen zur Funktion des Träumens – darunter auch jene von Freud – zu überprüfen, um zu sehen, welche der Wahrheit am nächsten kommt.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Eine dieser Hypothesen hat es zu einiger Popularität gebracht. Sie besagt, dass Träume dem Festigen von Gedächtnisspuren dienen könnten: Die Erlebnisse des Tages würden im Traum rekapituliert, und das Erinnernswerte werde ins Langzeitgedächtnis überführt, während Belangloses gelöscht werde.

MARK SOLMS  Diese Theorie hat zurzeit einen schweren Stand, denn sie stützt sich auf die Annahme, dass Traumschlaf gleich REM-Schlaf sei. Die Forscher hinderten Versuchspersonen oder -tiere daran, in den REM-Schlaf zu fallen, und stellten danach bestimmte Gedächtnisausfälle fest. Aber nun zeigt sich eben, dass REM-Schlaf nicht gleichbedeutend mit Traumschlaf ist. Sicher: Die REM-Phasen müssen eine bedeutende Funktion für den Organismus haben, die wir noch nicht kennen – aber wir wissen nun, dass REM-Schlaf und Träumen unterschiedliche Funktionen haben. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Träumen die Funktion hat, Gedächtnisspuren zu festigen. Patienten, die ihre Traumfähigkeit verloren haben, zeigen nämlich völlig ungestörte Gedächtnisleistungen. Ihr Gedächtnis ist nicht schlechter als das von Personen, die nachts normal träumen.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Es wäre aber doch möglich, dass nachts tatsächlich Gedächtnisspuren gefestigt werden – zwar nicht in den Träumen, aber doch im REM-Schlaf.

MARK SOLMS  Das wäre zwar denkbar, aber auch dies wird neuerdings von Forschern bezweifelt.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Was würde Freud wohl sagen, wenn er von den Aufsehen erregenden neuen Erkenntnissen der neuropsychologischen Traumforschung hörte?

MARK SOLMS  Freud war durchaus interessiert an Hirnforschung, und er hütete sich, seinen Kollegen etwa zu raten: “Studiert nicht das Gehirn, studiert die Psyche!“ Doch zu Freuds Lebzeiten waren die Methoden der Hirnforschung noch nicht sehr fortgeschritten – man konnte damals tatsächlich nur sehr wenig über die Psyche erfahren, indem man das Gehirn studierte. Dies hat sich durch die neuen bildgebenden Verfahren gründlich geändert, mit denen man präzise am lebenden Menschen beobachten kann, was im Gehirn vor sich geht und welche Strukturen bei einem Patienten verletzt sind.Ich glaube, Freud würde die neuen Ergebnisse der Neurowissenschaften mit offenen Armen empfangen. Freud war zwar skeptisch, was die Möglichkeiten der Hirnforschung seiner Zeit anging. Aber er sagte voraus, dass eine Zeit kommen werde, in der die Psyche auch aus der Perspektive der Neurowissenschaften Erfolg versprechend untersucht werden könne und müsse.

PSYCHOLOGIE HEUTE  Vielen der heutigen Psychoanalytiker scheint die Hirnforschung aber nicht recht geheuer zu sein. Sie sagen, die Psyche sei zu kompliziert, als dass sie sich mit solchen “reduktionistischen“ Methoden untersuchen liesse.

MARK SOLMS  Jede Methode hat ihre Grenzen. Es gibt viele Fragen, die sich mit PET-Aufnahmen des Gehirns am besten beantworten lassen, und bei anderen Fragen sind andere Zugangswege vielversprechender. Auch die psychoanalytische Methode hat neben ihren Stärken enorme Schwachstellen. Wenn wir in der Traumforschung – und in der Psychologie insgesamt – Fortschritte machen wollen, dann müssen wir alle verfügbaren Methoden zurate ziehen.

Mit Mark Solms sprach Thomas Saum-Aldehoff
Mark Solms, Jahrgang 1961, ist Neuropsychologe und Psychoanalytiker und arbeitet an der St. Bartholomew’s & Royal London School of Medicine. Dort analysierte er unter anderem Fallstudien von Hirnverletzten. Er wies nach, dass nicht der REM-Schlaf, sondern andere, “höhere“ Vorgänge im Gehirn das physiologische Geschehen bestimmen, das dem Träumen zugrunde liegt.

Quelle:
Psychologie Heute 03/2000, Seite 30 Rubrik: Traumforschung,
(online unter http://www.psychologie-heute.de/)

Freud, die Psychoanalyse und der Ödipuskomplex

In Moderne Psychoanalyse am 6.Dezember. 2007 um 21:20

Die Psychoanalyse wurde durch den Wiener Nervenarzt Sigmund Freud (6. Mai 1856 – 23. September 1939) zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und revolutionierte die Psychologie.

Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 als ältester Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Jacob Freud und dessen Ehefrau Amalia (geb. Nathanson) in Freiberg (heute: Tschechien)geboren,das damals zu Östereich-Ungarn (Donaumonarchie) gehörte). 1860 zog die Familie nach Wien um, wo Freud zunächst an der Universität Medizin studierte (1873-1881), um dann als Neurologe am Wiener Physiologischen Institut zu forschen. Nach seiner Promotion in Medizin, arbeitete er von 1882-1885 am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Nach seiner Habilitation in Neuropathologie war er ab 1885 Dozent an der Wiener Universität und beschäftigte sich mit hirnanatomischen Forschungen. Bei einem Gastaufenthalt an der Pariser Nervenklinik Salpêtrière erlebte Frauen mit seelischen Erkrankungen ohne erkennbare organische Veränderungen, die der Leiter der Klinik,Jean-Martin Charcot (1825-1893) mit Hypnose behandelte und damit die Symptome vorübergehend zum Verschwinden brachte. Freud war sehr beeindruckt und entwickelte in den folgenden Jahren als praktizierender Nervenarzt eigene Theorien über die Ursachen psychischer Erkrankungen. Danach sind verdrängte traumatische Erfahrungen die eigentliche Ursache seelischer Erkrankungen. Mit der Technik der freien Assoziation (s.u.) lassen sich die verdrängten Inhalte wieder ins Bewusstsein zurückrrufen und so viele seelische Erkrankungen heilen (Psychoanalyse). Von 1895-1905 arbeitete Freud die Psychoanalyse zu einer geschlossenen Theorie aus (1897: Ödipus-Komplex,1900: Traumdeutung, 1901: Fehlleistungen, 1905: Sexualtheorie). 1902 wird Freud Professor für Neuropathologie an der Wiener Universität. Freud hatte die Hoffnung, die Psychoanalyse auch neurobiologisch begründen zu können, doch der seinerzeitige Stand der Technik liess das einfach noch nicht zu, denn es fehlten die Instrumente für eine genauere Untersuchung der physiologischen Vorgänge in Gehirn und Nervensystem.

In den Folgejahren gründete Freud eine Internationale Psychoanalytische Vereinigung, um seine Theorien zu verbreiten und weiterzuentwickeln. Immer wieder kam es zu inhaltlichen Auseinandersetzungen und Abspaltungen, wobei es zumeist um die Rolle der kindlichen Sexualität und den Ödipuskomplex ging. In den Jahren 1923-1930 entwickelte Freud seine Theorie des psychischen Apparates mit den 3 Instanzen ICH, ES und ÜBERICH (s.u.). Nach dem Anschluss Österrichs an das Deutsche Reich (1938) musste Freud vor der Judenverfolgung der Nationalsozialisten fliehen und zog mit seiner Familie nach London (Grossbritannien) um, wo er am 23. September 1939 einer langjährigen Krebserkrankung erlag.

Freud definierte die Psychoanalyse einmal so: 

Psychoanalyse ist der Name eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind; einer Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich auf diese Untersuchung gründet; und eine Reihe von psychologischen, auf solchem Wege gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen.

Kaum zugänglich sind seelische Vorgänge dann, wenn sie unbewusst stattfinden. Unbewusst werden seeliche Vorgänge durch die innerpsychische Verdrängung, zu der es immer dann kommt, wenn zwei oder mehrere Kognitionen (Gedanken, Meinungen, Wünsche, Einstellungen, (logische) Schlussfolgerungen) derart zueinander in Widerspruch stehen, dass sich daraus ein (schmerzlicher) seelischer Konflikt entwickelt. Verdrängt werden stets die schwächeren Kognitionen. Gemeinsam bilden sie dann das  Unbewusste. Ein innerpsychischer Widerstand sorgt dafür, dass die verdrängten Kognitionen nicht  mehr so ohne weiteres in das Bewusstsein dringen können.

Sigmund Freud (1856-1939) Quelle: Wikipedia

Der die Verdrängung auslösende seelische Konflikt ist damit aber nicht entgültig aufgelöst, denn das Unbewusste kann weiterhin unterschwellig auf das Bewusstsein einwirken, besonders dann, wenn aktuelle Wahrnehmingen und Gedanken irgendwie an die verdrängten Vorstellungen erinnern. 

Die Folge sind Fehlleistungen (Freudsche Versprecher, vorübergehende Erinnerungsblockaden, Verlegen und Verlieren von Gegenständen usw.), aber auch ernsthafte seelische Störungen, die Neurosen. Auch in den Träumen tauchen die verdrängten Kognitionen häufig in entstellter oder symbolisierter Form wieder auf.

Besonders in der Kindheit, in einer Situation der Schwäche gegenüber  Erwachsenen, aber auch gegenüber älteren Geschwistern ist die Verdrängung oft der einzige Ausweg, um schwer erträgliche Konflikte zu umgehen. Verdrängt werden fast immer verbotene Wünsche und (bedrohliche) Bewusstseinsinhalte, die sich aus dem Versuch der kindlichen Selbstbehauptung und aus der frühkindlichen Sexualität ergeben.

Das bekannteste Beispiel ist der Ödipuskomplex. Mit diesem Begriff bezog sich Freud auf die tragische Geschichte der griechischen Sagengestalt Ödipus. Dieser wird von seinem Vater, König Laios von Theben, infolge einer Prophezeiung, dass sein Sohn ihn dereinst töten werde, mit Zustimmung seiner Mutter Jokaste in der Wildnis ausgesetzt. Ödipus wird jedoch gerettet und wächst bei Pflegeeltern auf, ohne jemals irgendetwas über seine Herkunft zu erfahren. Bei einer Zufallsbegegnung, die in einem heftigen Streit endet, tötet Ödipus einen unbekannten Mann, ohne zu ahnen,dass es sein Vater ist, der König von Theben. Als er nur wenig später die Stadt Theben von der drachenähnlichen Sphinx befreit, darf er zur Belohnung die immer noch sehr schöne, verwitwete Jokaste zur Ehefrau nehmen. Als neuer König von Theben versucht Ödipus den Tod seines Vorgängers aufzuklären. Dabei erfährt er schliesslich die ganze Wahrheit. Aus Verzweiflung blendet er seine Augen und flieht als gebrochener Mann ins Exil. Damit fügt er sich selbst die fällige Strafe für den unerlaubten Inzest zu.

Zu einer ähnlichen Konstellation wie in der Ödipussage kommt es nun auch in der Kindheit. Nach dem Erwachen der frühkindlichen Sexualität, in der sogenannten ödipalen Phase entwickelt sich ein sexuelles Begehren gegenüber dem gegengeschlechtlichen Elternteil, was jedoch automatisch in einen Konflikt mit dem (übermächtigen) gleichgeschlechtlichen Elternteil führt. Die sexuellen Wunschvorstellungen und die damit einhergehenden negativen Gefühle gegenüber dem gleichgeschlechtlichen, rivalisierenden Elternteil sind mit grosser Angst besetzt und werden daher meist verdrängt. An die Stelle des Aufbegehrens tritt die Unterwerfung und schliesslich die Identifikation.Der gleichgeschlechtliche Elternteil wird zum Vorbild für die eigene Entwicklung. Dieses Verhalten wird später auf andere mächtige (auch fiktive) Figuren (politische, militärische oder religiöse Führer, Gottheiten) und Institutionen (Staat, Militär, Kirche) übertragen. Vor allem bei Männern ist der Ödipuskomplex sehr stark ausgeprägt.

Die Psychoanalyse versucht nun bei neurotischen Störungen, die verdrängten Inhalte wieder ins Bewusstsein zurückzurufen, um so den Betroffenen wieder einen ungestörten Lebensgenuss zu ermöglichen! 

Dazu bedient sich die Psychoanalyse der Methode der freien Assoziation. Ausgehend von Fehlleistungen und Träumen wird die zu analysierende Person (Analysand) aufgefordert, alle damit für ihn in Zusammenhang stehenden, spontanen Einfälle (Assoziationen) dem Analytiker unzensiert mitzuteilen, also unabhängig davon, ob ihr diese Einfälle unsinnig, unpassend oder gar anstössig erscheinen. Mit dieser psychoanalytischen Grundregel soll der innerpsychische Widerstand gegen die Bewusstwerdung verdrängter Vorstellungen überlistet werden, denn die freien Assoziationen bilden  mit wachsender Anzahl eine immer deutlicher erkennbare, netzwerkartige Struktur sinnvoller Zusammenhänge, denn die spontanen Einfälle  sind nicht zufällig, sondern gehorchen dem Prinzip von Ursache und Wirkung (Kausalitätsprinzip).

Ein wertvolles Arbeitsinstrument zur Förderung der freien Assoziationen bei der Psychoanalyse…  (Sigmund Freud Museum, London) Quelle: AP
 
Im Verlauf der Psychoanalyse kommt es oft zu einer sogenannten Übertragung, bei der verdrängte Gefühle gegenüber Bezugspersonen aus der Kindheit (Erwachsene, Geschwister) unbewusst auf den Analytiker umgelenkt werden.
 
Analytiker und Analysand deuten gemeinsam, unter Zuhilfenahme der freien Assoziationen und der Übertragung den inneren Sinnzusammenhang, wodurch die verdrängten Inhalte wieder bewusst gemacht werden.

Freud entwickelte aus seinen psychoanalytischen Erfahrungen ein dynamisches Drei-Instanzen-Modell  der menschlichen Persönlichkeit:

Persönlichkeitsmodell nach Freud: Das bewusste ICH bringt Wünsche mit den zunächst durch das vorbewusste Wahrnehmungsbewusstsein (W-Bw) wahrgenommenen, danach aber bewusst werdende Realitäten soweit irgend möglich in Übereinstimmung. Das ÜBERICH entspringt dem verinnerlichten ( angsteinflössend geäusserten) Gegenwillen der übermächtigen Erwachsenen (oder älteren Geschwister), welcher den Wünschen und Vorstellungen des Kindes oft entgegensteht und so deren Verdrängung ins unbewusste ES erzwingt. Das ÜBERICH darf  aber nicht mit dem Gewissen verwechselt werden, da letzteres ein wichtiger Bestandteil des bewussten ICH ist und wahrscheinlich auf der Fähigkeit beruht, sich in Andere hineinzuversetzen und mitzufühlen (Spiegelneuronen). Quelle: Sigmund Freud Studienausgabe, Fischer-Tachenbuch-Verlag , Frankfurt (2000)

Im  Zusammenhang mit seinem Persönlichkeitsmodell formulierte Freud das Ziel einer Psychoanalyse einmal so: Wo ES war, soll ICH werden!

Das kann aber nur durch Aufhebung (im Sinne von Überwindung bei gleichzeitiger Bewahrung und Fortentwicklung der wertvollen Anteile!) des ÜBERICH gelingen, so dass ICH und ES ununterscheidbar werden.

Quellen: Sigmund Freud: Darstellungen der Psychoanalyse, Fischer-Taschenbuch und Wikipedia

Jens Christian Heuer

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