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Eltern prägen spätere Partnerwahl

In Ethologie, Psychologie am 31.März. 2009 um 00:48

Die Gesichter der Eltern beeinflussen ganz erheblich die spätere Partnerwahl ihrer Kinder. Der Partner einer Frau ähnelt oft ihrem Vater, die Partnerin eines Mannes oft dessen Mutter. Dieses Phänomen, auf das schon Siegmund Freud hinwies und das sich in seinen Psychoanalysen immer wieder in Form des Ödipuskomplexes zeigte, wurde von dem ungarischen Psychologen Tamás Bereczkei und Kollegen in einer wissenschaftlichen Untersuchung eindrucksvoll untermauert.

Zu ihren Ergebnissen kamen sie durch den Vergleich der Fotografien von 52 jungen Paaren mit denen ihrer jeweiligen Eltern. Als Kontrolgruppe diente eine Gruppe von 318 Männern und Frauen in etwa demselben Alter wie die Eltern.

Jedes Gesicht wurde genau vermessen, wobei es um 14 verschiedene Proportionen ging, so zum Beispiel die Länge und Breite des Gesichts, der Augenabstand, die Länge der Nase oder die Breite des Kinns.

gesichtsproportionen

Die für die Untersuchung herangezogenen Gesichtsproportionen: a=Gesichtslänge, b=Gesichtsbreite, c=Nasenlänge, d=Nasenbreite, e=Augenabstand (zwischen den Pupillen gemessen), f=Augehöhe, g=Augenbreite, h=Abstand der inneren Augenwinkel, i=Abstand Nase-Kinn, j=Abstand Mund-Augenbrauen, k=Lippenfülle, l=Lippenbreite, m=Kinnlänge, n=Kinnbreite Quelle: http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf

Die Untersuchung ergab eine deutliche Ähnlichkeit zwischen den Gesichtszügen des Vaters und des Partners der jungen Frauen. Diese Ähnlichkeit war besonders auffällig im mittleren Teil des Gesichts, bei Augenabstand sowie Länge und Breite der Nase. Die Gesichter von Mutter und Partnerin der jungen Männer ähnelten sich vor allem im unteren Teil des Gesichts, bei Mundpartie und Breite des Kinns. Ähnlichkeiten Mutter und Partner bzw. Vater und Partnerin wurden nicht festgestellt.

Die Ähnlichkeiten bei den Gesichtern wurden von unabhängigen Beobachtern anhand einer Skala von 1-10 überprüft und bestätigt.

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Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe (hellgraue Balken) wurden deutliche Übereinstimmungen auch durch unabhängige Beobachter festgestellt: Weibliche Partner ähnelten den Müttern der Männer, männliche Partner den Vätern der Frauen (höhere dunkelgraue Balken).  Weibliche Partner und Väter der Männer, sowie männliche Partner und Mütter der Frauen ähnelten sich nicht (hellgraue und dunkelgraue Balken in etwa gleiche Höhe). Quelle: http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf

Die naheliegende Erklärung ist, dass sich Männer und Frauen als Kinder das Gesicht des andersgeschlechtlichen Elternteils  fest einprägen. Als Erwachsene wählen sie dann unbewusst einen Partner, der ihrer Prägung entspricht.

Die Untersuchungen der ungarischen Wissenschaftler bestätigt die bei vielen Tieren schon länger bekannte sexuelle Prägung erstmals auch eindeutig beim Menschen. Schon vor vielen Jahrzehnten hatte der Verhaltensforscher Klaus Immelmann die sexuelle Prägung bei Zebrafinken untersucht. Immelmann liess Eier von Zebrafinken durch Mövchen, einer verwandten japanischen Art ausbrüten. Als die Zebrafinken herangewachsen waren, setzte Immelmann die Männchen zu acht Weibchen der eigenen Art und einem Weibchen der Mövchen. Die Zebrafinken-Männchen umwarben das fremde Weibchen, das ihrer Pflegemutter glich, wollten aber gleichzeitig von den Artgenossinnen nichts wissen.

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Von Mövchen aufgezogene männliche Zebrafinken ziehen als erwachsene Tiere ein Mövchenweibchen einer arteigenen Partnerin vor. Quelle: http://www.uni-bielefeld.de/biologie/vhf/ (verändert)

In einem weiteren Versuch leiss der Wissenschaftler die Zebrafinken-Männchen 3 Jahre lang allein mit den Zebrafinken-Weibchen zusammenkommen. In dieser Zeit zogen die Paare sechsmal Junge auf. Und trotzdem, auch jetzt noch kümmerten sich die Männchen nur um ihre arteigenen Weibchen, wenn sie ihnen begegneten. Die sexuelle Prägung in den ersten Lebenstagen während einer sensiblen Phase der Gehirnentwicklung war offenbar unauslöschlich.

Quelle: http://www.bereczkei.hu/RSPB_2008.pdf

Jens Christian Heuer

Verwandter Artikel: Freud, die Psychoanalyse und der Ödipuskomplex

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